An dieser Stelle möchten wir euch eine kurze einführende Information rund um die seit kurzem aktive Bewegung „HoGeSa“ geben.
Dazu gehört auch ein knapper Abriss der Entwicklung der Fanszenen im Fußball seit den 90er-Jahren mit dem Spannungsfeld zwischen Hooligans und Ultras.
Auf weitere mögliche Aspekte zur Radikalisierung von Menschen, auf religiösen Fundamentalismus oder die Rolle des „finanzialisierten Kapitalismus“ gehen wir hier nicht weiter ein.

Was ist HoGeSa?

„HoGeSa“ steht für „Hooligans gegen Salafisten“ und wird als Sammelbegriff für eine Bewegung genutzt, die ihre Wurzeln im mindestens „rechtsoffenen“ Hooliganbereich hat.
Die Vernetzung funktioniert weitgehend über das Internet, neben den szenebekannten Homepages von Hooligans und Rechtesextremen verschiedenster Art und Ausprägung spielte für HoGeSa vor allem Facebook eine zentrale Rolle.

Dort wird, bzw. wurde sich in Gruppen wie „Weil Deutsche sich’s noch trau’n“, „Gemeinsam sind wir stark“ und „Hooligans für Deutschland“ im Selbstmitleid ergangen angesichts einer so empfundenen Überfremdung und damit einhergehendem eigenen Bedeutungsverlust, sowie der folgerichtigen Marginalisierung und Stigmatisierung durch die „links-grüne Mainstreampresse“ und „Gutmenschen“.

Die eskalierte Demonstration in Köln (siehe auch dieses Video mit Spontan-Interviews von Teilnehmer*innen) kam keineswegs aus dem Nichts. Zuvor gab es schon verschiedene Anlässe, unter anderem im März in Mannheim, auf denen sonst verfeindete Hooligangruppen etwa aus Frankfurt, Stuttgart, Kaiserslautern, Mannheim und Karlsruhe gemeinsam gegen Salafisten demonstrierten.

Eine Art konstituierende Zusammenkunft spielte sich dann Ende September in Dortmund ab als es erstmals ein Schnuppertreffen unter dem Titel HoGeSa gab. Schon hier zeigte sich endgültig die enge Verzahnung zwischen (angeblich unpolitischen) Hooligans und organisierten Rechtsradikalen aus dem Parteienspektrum, sowie Autonomen Nationalisten und Anhängern der Identitären Bewegung.

HoGeSa ist einmal mehr der Versuch, über einen breiten Konsens (Ablehnung von religiösem Extremismus) neue Unterstützer*innen für weitere nicht-konsensfähige Themen (Feindlichkeit gegen Ausländer generell – Juden, Moslems, Flüchtlinge speziell) zu gewinnen.

(Siehe über die Strukturen von HoGeSa und Informationen über den Hintergrund der Protagonisten insbesondere Beiträge des Antifaschistischen Infoblattes, LOTTA NRW/RLP/Hessen, taz und ZEIT.)

Hooligans in Deutschland

Seit Ende der 1980er Jahre wurde es in deutschen Fußballstadien ruhig rund um die Hooliganszene, die sich zuvor noch regelmäßig in und um die Stadien Massenschlägereien und Straßenschlachten mit dem jeweiligen Gegner und der Polizei lieferte. Spätestens mit der immer populärer werdenden Jugendkultur der Ultras und deren schnell wachsendem Einfluss in den Fankurven als jeweils größte organisierte Gruppe(n), spielten Hooligans dann so gut wie keine Rolle mehr. Es kam zu einer totalen Neuausrichtung der Fankultur, in deren Mittelpunkt zwar immer noch die geradezu heilige Verehrung des eigenen Vereins stand, gleichzeitig aber etablierte Verhaltensmuster wie homophobe und antizyganistische Schmährufe zur Verunglimpfung des Gegners, sowie offen rechtsradikale Rufe und Gesänge wie „Sieg…heil!“ oder das unsägliche „U-Bahn-Lied“ aus den Stadien verschwanden (siehe mit Bezug auf RLP exemplarisch hier).

Die Hooligan-Gruppierungen hörten indes nie auf zu existieren, sie wurden lediglich weitestgehend unsichtbar für die Öffentlichkeit, besuchten mehr oder weniger weiterhin die Spiele ihrer Mannschaft und konzentrierten sich auf verabredete Schlägereien abseits des Geschehens und Aktionen während Welt- und Europameisterschaften. Schon bei den letztgenannten Anlässen gelang es immer weitestgehend, dass die sonst verfeindeten Hooligans für ein übergeordnetes Ziel (ihre jeweilige Nation) gemeinsam agierten.

Die meisten Hooligangruppen stellten sich immer als „unpolitisch“ dar und verwiesen auf die Heterogenität ihrer Mitglieder. Natürlich ist sicherlich nicht jeder Hool gleich rechts und auch unter „rechts“ gibt es ja verschiedene Formen und Ausprägungen, auch ist längst nicht jeder Ultra links. Allerdings ist es schon offensichtlich, dass es hinsichtlich der Weltanschauung sehr große Schnittmengen zwischen Hooligangruppierungen, rechten Parteien und autonomen rechten Strukturen gab und gibt.

Hooligans vs. Ultras

In den letzten Jahren gab es vermehrt offene Konflikte, als Hooligangruppierungen ihr Standing in den Fankurven verbessern wollten. Dies führte in Braunschweig (siehe auch hier) und Aachen etwa zu mehr oder weniger kompletten Rückzügen von antifaschistischen Ultra-Gruppen, die sich Anfeindungen, Drohungen und gewaltsamen Übergriffen ihrer Widersacher ausgesetzt sahen. Auch in den Fanszenen von beispielsweise Dortmund, wo der Fanprojektleiter auf der Stadiontoilette von Rechtsextremisten zusammengeschlagen wurde, oder in der Fankurve von Fortuna Düsseldorf gab es zuletzt immer wieder Berichte über Auseinandersetzungen zwischen mehr oder minder organisierten Linken und Rechten.

Eine für etliche „Normalos“ (im Sinne von nicht-organisierten Fans) verfängliche „Argumentation“ ist, dass die Ultras „Politik in die Kurven brächten“ und Politik und Fußball getrennt sein sollten. Dies ist natürlich eine geradezu absurde Logik, setzt sie doch „sich gegen Intoleranz und Ausgrenzung wehrend“ mit „Politik machen“ im Sinne von parteipolitischem Wahlkampf gleich und glorifiziert „unwidersprochene Abneigung gegen Homosexuelle, Frauen, Juden oder andere Menschen“ als „unpolitisch“ – doch in Braunschweig oder Aachen reichte dies schon für eine kritische Masse an Gegnern, mit denen sich die erst be- dann verdrängten Ultras konfrontiert sahen.

Speziell in Rheinland-Pfalz sind zwei Hooligangruppierungen des 1. FC Kaiserslautern, deren Strukturen stark von bekannten rechten Kräften dominiert werden, auch in HoGeSa aktiv und erfreuen sich in letzter Zeit wieder wachsendem Zulauf.
Am 07.11.14 kam es dennoch in Kaiserslautern zum wiederholten Male zu einer Sachspendensammlung zu Gunsten von Flüchtlingen, die von Ultras durchgeführt wurden. Ob die vorhandenen Konfliktlinien auch in Kaiserslautern offen ausbrechen werden, bleibt abzuwarten.

Wie geht’s weiter?

Derzeit versuchen die HoGeSa-Organisatoren weitere Demonstrationen anzumelden, aber weder in Berlin (geplantes Motto: „Gegen Salafisten, Islamisierung und Flüchtlingspolitik [sic!]“) noch in Hannover, wo die Polizei bislang die Genehmigung verweigert, scheint dies zu funktionieren.

Die Berichterstattung nach Köln war sicherlich nicht im Sinne der Hooligans und selbst aus der eher konservativen Presse hält sich die Sympathie doch sehr in Grenzen. Allerdings sollten wir nicht unterschätzen, dass derzeit viele Menschen im Angesicht radikalisierter religiöser Spinner, denen auch aus Deutschland aus Reihen der salafistischen Strömung Sympathien entgegengebracht werden, Sorgen wenn nicht gar Angst haben.

Die GRÜNGE JUGEND Rheinland-Pfalz spricht sich an dieser Stelle deutlich gegen jedwede gruppenbezogene Mennschenfeindlichkeit aus!

Der Gedanke, dass eine Strömung, die systematisch durch rechtsradikale Kräfte instrumentalisiert wird, deren Mitglieder dies zu einem erheblichen Teil ideologisch begrüßen und deren gemeinsamer Nenner die Freude an Gewalt ist, angeblich für Frieden, Freiheit und gegen ein diskriminierendes Frauenbild oder Homophobie einstehen wollen, erscheint in diesem Sinne reichlich absurd.

Eure Webredaktion