Jugend in der Globalisierung

von Joel Kaufmann

Das Seminar „Jugend in der Globalisierung“ fand vom 14.-16.November in der Landesgeschäftsstelle der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz in der Walpodenstr. 5 in Mainz statt.

Nach einer Vorstellungsrunde am Freitag Abend begann der erste Workshop. Die amtierende UN-Jugenddelegierte aus Deutschland, Astrid Schrader, referierte über ihre Aufgaben und Funktionen. In einer Powerpointpräsentation umriss sie zunächst die wesentlichen Strukturen der Vereinten Nationen. So seien die wesentlichen Organe der UN Sekretäriat, Vollversammlung, Internationaler Gerichtshof, Wirtschafts- und Sozialausschuss und der Sicherheitsrat. Anschließend berichtete sie von dem Hintergrund ihrer Tätigkeit: Sie sei zusammen mit einem weiteren Vertreter für ein Jahr ausgewählt worden. Der Auswahl durch die „Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen“ gehe eine schriftliche Bewerbung voraus. Dabei hat sie auch nochmal auf die bald auslaufende Bewerbungsfrist für das kommende Jahr verwiesen.
Vor einem einmonatigen Aufenthalt in New York, mit diplomatischer Arbeit bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen, dienten die Jugenddelegierten hauptsächlich als Multiplikatoren der UN-Arbeit und Kommunikatoren für jugendliche Interessen in Deutschland. Die Referentin charakterisierte die unterschiedlichen Stellenwerte, die den Jugenddelegierten in ihren jeweiligen Staaten beigemessen wird, und zeichnete ein Bild der jeweiligen „politischen Kultur“ der verschiedenen Delegierten. Hinsichtlich der Möglichkeit politischer Einflussnahme von Jugenddelegierten äußerte Astrid Schrader sich ziemlich optimistisch, weil Änderungs-vorschläge zu UN-Resolutionen oft von den Diplomaten übernommen würden. Allgemein sei die Jugend in den Vereinten Nationen aber nur unzulänglich vertreten (ins Besondere im Sekretäriat).

Am Morgen des nächsten Tages berichtete die Kulturwissenschaftlerin Stephanie Mayfield, tätig am Frauenzentrum Mainz, von Möglichkeiten der Vernetzung Jugendlicher im Internet. Sie stellte dabei Seiten wie „studivz.de“, „wer-kennt-wen.de“ und verschiedene Blog-Plattformen vor. Hierbei unterstrich sie das hohe multiplikative Potenzial dieser Seiten, welches sie selbst vielfach erforscht hätte, indem sie Interessensgruppen gegründet und für Eigenwerbung für andere Webprojekte genutzt hätte. Sie wies aber auch darauf hin, dass mit der Nutzung von Internet Probleme in Bezug auf Datenschutz einhergingen. Sie plädierte für eine kritische Haltung gegenüber den Inhalten von Webseiten.

Im dritten Workshop, der insgesamt die meiste Zeit einnahm, ging es um die wirtschaftliche Dimension der Globalisierung. Der Referent Andreas Atzl, Diplom-Soziologe, zeigte uns zur Einführung seines Workshops den Film „TerraForm“, der einen Überblick über die Thematik bot. Danach ließ er den Zuhörern Raum, ihre eigenen Assoziationen mit dem Begriff der Globalisierung zu äußern. Diese Begriffe wurden nach thematischer Zugehörigkeit strukturiert (staatliche Organe, internationale Organisationen usw.).

Danach folgte ein interaktives Spiel zur Verdeutlichung der Vernetzung von Wirtschaftsprozessen. Dazu bekam jeder der Workshopteilnehmer einen Zettel, der eine Personenbeschreibung enthielt. Aus den verschiedenen dargestellten Lebensbedingungen der fiktiven Personen ergab sich eine Vernetzung, vor allem in Bezug auf Konsum und Herstellung bestimmter Produkte, der mit Hilfe einer Paketschnur Ausdruck verliehen wurde.

Auf dieses Spiel folgte eine Erarbeitungsphase. Jeder Teilnehmer bekam dazu einen Text zum Thema der Globalisierung, dessen Inhalt Grundlage der anschließenden Diskussion sein sollte. Die Texte beschrieben teils konkrete Marktbedingungen einer bestimmten Sparte, teils stellten sie der bisherigen „Ordnung“ Alternativen gegenüber und boten einen Überblick über die allgemeine Problematik. In der Diskussion ergaben sich grundsätzliche Frage-stellungen nach regulativen Notwendigkeiten zur Herstellung einer internationalen Ordnungen, sowie nach Liberalisierungen der teils abgeschotteten Märkte, nach dem Problem der Nachhaltigkeit im internationalen Wirtschaften usw.. Nach der lebhaften Diskussion stellte Andreas Atzl kurz die konkurrierenden Wirtschaftstheorien von Alan Smith, John Maynard Keynes und Karl Marx vor.

Im letzten Workshop ging es um die Internationale Vertretung der Grünen Jugend, die sich aufspaltet in die FYEG (Federation of Young European Greens) und die Global Greens. Der Referent Andreas Atzl berichtete von den Organisationsstrukturen der beiden Institutionen. Hierbei wies er auf die Unterschiedlichkeit des grünen Selbstverständnisses in den verschiedenen Teilnehmerstaaten hin. Ins Besondere in den osteuropäischen Staaten seien die infrastrukturellen und finanziellen Bedingungen der junggrünen Organisationen unzureichend.

Das Seminarwochenende schloss mit einer Reflexionsrunde, die durchweg von einem grandiosen, supergeilen sexy Infowochenende schwärmte.

Ergebnisse und Perspektiven

Neben zahlreichen Informationen über global aktive Organisationen und Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche kam es auch zu einer Erörterung der grundlegenden Faktoren, die zu den negativen Auswüchsen der Globalisierung führen. Diese wurden etwa in der Gewinnsucht Einzelner, dem entwicklungsfeindlichen Protektionismus ganzer Staaten und Staatenbündnisse, sowie einer fehlenden Sensibilisierung für Nachhaltigkeitspolitik ausgemacht.

Was die Bekämpfung und Überwindung dieser negativen Umstände einer sich näher kommenden Welt angeht, waren die Ziele des Workshops weniger eindeutig. Etwa die Frage nach der richtigen Wirtschaftsordnung wurde ziemlich kontrovers diskutiert. Auch die Frage nach der Art der Regulierung internationaler Marktbewegungen führte zu keinem eindeutigen Konzept. Klar wurden hingegen die vielen unterschiedlichen Interessen, denen etwaige Institutionen zur Regulierung der Globalisierung Rechnung tragen müssten, wie etwa der Anspruch auf Freiheitlichkeit und die gleichzeitige Notwendigkeit der Steuerung zur Erhaltung sozialer Grundbedingungen.