Am Sonntagmorgen (06.09.15) fanden sich ca. 20 junge Menschen in der Mainzer Ladengeschäftsstelle der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz ein. Einige waren auch von weiter her angereist, angelockt von dem mit „Von Barbie und Ken“ betitelte Seminar samt gemütlichem Bruch. Thema des Tages waren Sexismus, Rollenbilder und couragiertes Handeln dagegen. Für die ersten Stunden hatte unser Landesvorstand Anna und Bastian vom „Netzwerk für Demokratie und Courage“ (NDC) eingeladen, die zunächst ein als Kennlernspiel getarntes Experiment mit der Seminargruppe veranstalteten. Dieses Experiment sollte aufzeigen, wie männlich die deutsche Sprache doch geprägt ist und hinterfragte kritisch, ob wir etwa bei des Verwendung Begriffs „Schüler“ oder „Student“ wirklich jeden und jede ansprechen und gerecht werden. Die Ergebnisse waren, trotz der bereits großen Sensibilität vieler Teilnehmer*innen interessant.

In einer kurzen Einheit erfuhren wir viel Wissenswertes über gendergerechte Sprache und welche Option die wahrscheinlich beste ist. In unsere Sprache wird vor allem das generische Maskulinum verwendet, das Femininum bleibt außen vor. Gendern ist deshalb die Antwort auf diese sprachliche Diskriminierung. Allerdings gibt es da auch verschieden Möglichkeiten, die verschieden Vorzüge aufweisen. So wirkt ein Querstrich (etwa Schüler/innen) als trennend und zwischen männlich und weiblich polarisierend und impliziert einen Entweder-oder-Fall. Die Verwendung des Gender-Stars hingegen legt nahe, dass es verschiedene geschlechtliche Identitäten gilt, die alle gleichermaßen angesprochen werden.

Ein Quizspiel folgte. Ziel war das Erraten von Fakten bezüglich der Diskriminierung von Frauen. Die Ergebnisse waren allesamt alles andere als zufriedenstellend und z.T. negativ überraschend. So gehören Frauen nur etwa 1% des weltweiten Besitzes. Wie man Sexismus im Alltag am besten entgegen tritt, darüber diskutierten wir anhand verschiedener Beispiele.

Dass die deutsche Sprache stärker männlich geprägt ist als gedacht, darauf machte das folgende Spiel aufmerksam, bei dem wir zu etymologisch männlichen Begriffen das weibliche (fiktive) Gegenwort suchen sollten. Viele Begriffe wie etwa sogar der Begriff „Mensch“, stammen vom Wort „Mann“. Gleiches gilt für Worte wie „jemand“ oder „Herrschaft“. Dass die deutsche Sprache derart männlich geprägt ist, ist eine Tatsache, die vielen Seminarbesucher*innen noch nicht bewusst war.

Mit einer kurzen Reflektion der geschichtlichen Errungenschaften bei der Gleichbehandlung, etwa dem Wahlrecht für Frauen oder dem Verbot der Vergewaltigung in der Ehe – mit 1997 erschreckend spät – endete der Workshop von Anna und Bastian. Danke für Euer Kommen! Wir haben viel von Euch gelernt.

Die Schauspielerin Anke Bohl leitete nun den zweiten Teil des Seminars. Wir lernten mit ihr gemeinsam wie wir unsere Stimme und unseren Körpersprache nutzen können um überzeugend aufzutreten und couragiert gegen Sexismus und andere Diskriminierungen auftreten zu können. Daneben experiementierten wir mit bewusster Atmung und lernten so Neues über unseren Körper.

Wir bedanken uns bei Misbah Kahn als Hauptverantwortliche für die Planung und Durchführung des Workshops.

Joschka Brodbeck