Müll ist ein so alltägliches Phänomen, dass wir es selbst kaum noch bewusst wahrnehmen.

37 375 000 t Haushaltsmüll bzw. sogar 46 426 000 t Siedlungsabfälle sind in Deutschland 2015 statistisch erfasst worden. (Aufkommen an Haushaltsabfällen, DeStatis: Abfallbilanz). Das sind pro Einwohner ca. 1,25 kg Haushaltsmüll bzw. 1,55 kg Siedlungsabfälle täglich. Das dürfte in etwa der Menge an Essen entsprechen, die der Autor dieses Textes am Tag zu sich nimmt, vermutlich sogar mehr. Es fällt also in etwa so viel Müll an, wie wir Nahrung zu uns nehmen. Das ist verdammt viel. Deutschland gehört damit zu den größten Müllproduzenten in der EU (N-TV: Müllproduktion je Einwohner: Deutsche liegen weit über EU-Durchschnitt) Nicht berücksichtigt ist hierbei aber z. B. Bauschutt (197 735 000 t pro Jahr), sodass alle Müllarten zusammen 372 906 000 t, also etwa  12,5 kg pro Einwohner und Tag ergeben.

Immerhin wurden 2015 stolze 5 518 400 t Verkaufsverpackungen privater Endverbraucher eingesammelt und einer weiteren Verwertung zugeführt. (Verbleib Verpackungsmüll) Noch besser wäre es natürlich gewesen, wäre dieser Müll nie entstanden.

Aber an dieser Stelle erstmal genug mit Zahlen um sich geworfen. Wer trotzdem nochmal genauer in die Abfallstatistiken lesen möchte, kann auf der Website des statistischen Bundesamtes u. a. hier entsprechende Informationen finden: Abfallbilanz

Was bedeutet diese große Menge an Müll für uns und was passiert eigentlich damit?

In Deutschland wird der größte Teil der Siedlungsabfälle entweder recycled oder verbrannt. Ein Teil des Recyclings wird aber auch über gezielte Verbrennung („Thermische Verwertung“) erfüllt, da in diesem Fall der gut brennbare Müll andere Stoffe wie Erdöl ersetzt. Die Müllverbrennungsanlagen benötigen nämlich ausreichend viel gut brennbare Stoffe (bzw. ausreichend hohen Heizwert), damit der Verbrennungsprozess nicht abbricht. Am Ende der Verbrennung ist das Müllvolumen deutlich reduziert, es sind aber immernoch ca. 30 % des Abfalls in Form von Staub und Schlacke übrig. Ein Teil dieser Reststoffe kann noch verwendet werden (z. B. Zuschlag im Straßenbau, Metalle), der Rest muss aber immer noch deponiert werden.

Was passiert mit dem Müll, der nicht korrekt entsorgt wird?

Einen Teil der Antwort kann jeder auf der Straße sehen: Zigarettenkippen, „to go“-Kaffeebecher, Plastikflaschen usw. begegnen einem dort täglich. Zum Teil werden die von der Stadtreinigung entsorgt, zum Teil werden sie aber auch von Pflanzen überwuchert, von Vögeln zum Nestbau genutzt oder von Tieren gefressen, die dann an einem Magen/Darmverschluss sterben können(Link: Plastikpartikel-koennen-Menschen-schaden). Letzendlich wird der Müll vom Wind und anderen Einflüssen zum Meer getragen wo er sich in großen Müllstrudeln sammelt. Ein berühmtes, trauriges Beispiel und Mahnmal ist der Great Pacific Garbage Patch – der große Pazifikmüllfleck: 2008 bestand er aus ca. 100 000 000 t Plastikmüll. 80% des Mülls der im Meer landet kommt vom Land und wenn wir so weiter machen wie bisher, wird es 2050 mehr Plastikmüll im Meer geben als Fische. Dabei ist das größte Problem, dass das Plastik auf seinem Weg in immer kleiner werdende Teile zerfällt bis es schließlich zu Mikroplastik wird, in das sich hochgiftige Stoffe sehr leicht einlagern. Dieses Mikroplastik können wir mit dem jetzigen Stand der Technik nicht mehr aus der Umwelt heraus filtern.

Gibt es außerdem noch andere Quellen durch die Plastik in die Umwelt und letztlich ins Meer gelangt?

Leider Ja. Mit (fast) jeder Waschmaschinenladung gelangen winzige Plastikpartikel in die Umwelt, die von den Klärwerken nicht entfernt werden können. In unserer modernen Kleidung sind sehr oft Kunststofftextilien verarbeitet – Polyester, Elasthane oder auch Neoprene werden verarbeitet. Gerade die zu Fasern gesponnenen und verwebten Polyester und Elasthane werden beim Waschen ausgespült und gelangen so in die Weltmeere.

Und jetzt?

Es müssen sowohl der Nachschub an Müll reduziert werden als auch die bereits in die Umwelt eingetragenen Müllmassen entfernt werden.
Dafür muss aber auch ein Umdenken in der Bevölkerung geschehen: Weder Zigerattenstummel noch Kaffeebecher noch Plastikflaschen oder irgendein anderer Müll sollten einfach in die Umgebung geworfen werden. Das hat nicht nur einen ökologischen Nutzen, sondern verschönert auch ohne weiteren Aufwand das Stadtbild. Wer möchte schon lauter Müll vor der eigenen Tür haben?

Gleichzeitig müssen mehr erneuerbare Ressourcen eingesetzt werden – bei Verpackung (Papier, Pappe), Bekleidung (Baumwolle, noch besser: Hanf) und auch dem Häuserbau (Holz, Stroh-Lehm). Der Einsatz erneuerbarer Ressourcen ist dabei langfristig auch ein ökonomischer Gewinn, da weniger Ressourcen von außerhalb mit tlws. fragwürdigen Anbietern (Öl, Gas) eingekauft werden müssen. Gleichzeitig sollten Einwegartikel möglichst durch Mehrwegartikel ersetzt werden. Dadurch entsteht ohne Komforteinbußen deutlich weniger Müll – und langfristig spart man damit auch Geld.

Als letztes bleibt dann eben auch: Aufräumen. Der Müll ist da und wird nicht von selbst verschwinden. Und wenn er verschwindet, dann nur durch Zerkleinerung. Aber zerkleinerter Müll kann noch viel schlechter entfernt werden und reichert sich stattdessen in Pflanzen, Tieren und am Ende Menschen an. Die Folgen die dadurch für unsere Umwelt und Gesundheit entstehen sind in ganzem Ausmaß noch nicht abzusehen.