„Die Menschen wollen keine Atomkraft“

Gesine Agena

Die Sprecherin der GRÜNEN JUGEND, Gesine Agena, spricht im Interview zur Menschenkette über die schwarz-gelbe Atompolitik und wie ihr Engagement gegen Atomkraft eigentlich angefangen hat.

Liebe Gesine, in wenigen Tagen jährt sich der Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl. 1986 warst du ja noch nicht geboren, hat Tschernobyl aber trotzdem zu deiner Politisierung beigetragen? War der Reaktorunfall in deiner Familie ein Thema?

Gesine: Klar war das ein Thema. Als ich geboren wurde lag der Super-GAU von Tschernobyl ein Jahr zurück. Da haben sich natürlich alle Menschen gefragt, was das noch für Auswirkungen auf ihr Leben haben wird. Meine Eltern auch. Und sie haben dann zum Beispiel Ökostrom statt konventionellem Strom bezogen. Mein Vater hat außerdem in Windkraft und Photovoltaik investiert. Eigentlich kein Wunder, dass ich bei der Grünen Jugend gelandet bin…

 

In diesem Jahr wollen Anti-AKW Initiativen mit einer 120 Kilometer langen Menschenkette gegen die Atomkraft demonstrieren. Erleben wir, nach der Großdemo gegen Atomkraft aus dem letzten Jahr, ein Revival der Anti-Atom Bewegung?

Gesine: Das glaube ich schon. Es waren ja schon bei der Demo in Gorleben und der Blockade der Castor-Transporte im November 2008 mehr Leute denn je auf der Straße. Die Großdemo letztes Jahr war wahnsinnig beeindruckend, dass da 50000 Leute zusammenkommen, hätte ich nie gedacht. Diese Menschenkette wird ein weiteres Riesenereignis der Proteste sein. Es zeigt: Die Menschen in Deutschland wollen keine Atomkraft und gehen dafür auch auf die Straße!


Aber braucht es die Anti-Atom Bewegung und die Grünen überhaupt noch? Umweltminister Röttgen (CDU) hat der Atomkraft ja auch den Kampf angesagt.

Gesine: Was der Umweltminister sagt und was die schwarz-gelbe Koalition tut, sind zwei unterschiedliche Dinge. Norbert Röttgen redet zwar davon, dass Atomkraft nur eine Brückentechnologie sei, faktisch will er aber aus dem Atomausstieg aussteigen. Dabei ist doch klar: Wer die Atomkraft weiter fördert, behindert damit den Ausbau der erneuerbaren Energien. Jedes Jahr werden Millionen von Summen ausgegeben, um Atomkraft zu fördern, eine Risikotechnologie, die kein Stück zum Klimaschutz beitragen kann. Das können wir so nicht hinnehmen.

Die GRÜNE JUGEND hat sich 100 Prozent Erneuerbare Energien zum Ziel gesetzt. Ist das denn überhaupt realistisch?

Gesine: Natürlich ist das realistisch. Allein die Sonne bietet uns zehnmal so viel Energie wie wir weltweit brauchen. Dann kommen noch Wind, Wasser und Biomasse hinzu. Es kommt allerdings darauf an, jetzt die Energiewende zu starten. Denn so lange die Stromnetze so ausgestaltet sind wie bisher, werden wir den Umstieg nicht schaffen. Sie gehören den Energieriesen (Eon, EnBW, Vattenfall und RWE) und sind auf wenige Großkraftwerke angelegt. Wir brauchen stattdessen Netze, die auf dezentrale und erneuerbare Energieerzeugung ausgelegt sind. Für erneuerbare Energien und deren Erforschung brauchen wir außerdem das Geld, was jetzt in Kohle und Atom investiert wird. Nur mit erneuerbaren Energien können wir die Klimaziele und Energiesicherheit noch erreichen.