Gotthard Deuse, Bürgermeister des Städtchens Mügeln, ist schon ein lustiger Kauz. Über Nacht wurde er berühmt und mit der neuen Bekanntheit scheint er nicht umgehen zu können. Nicht anders ist seine Taktlosigkeit zu erklären, dem rechtskonservativen Blatt „Junge Freiheit“ ein Interview zu der Tat in Mügeln zu geben.

In dem Interview stellt sich Deuse als das Opfer einer Medienkampagne dar und sagt selbstbewusst: „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“. Vorsichtig wurde Deuse von seinen FDP Parteikollegen darauf hingewiesen, dass die Junge Freiheit ein rechtes Blatt sei. Deuse zeigte sich erstaunt und meinte er hätte vorher noch nie etwas von der JF gehört. Eine solche Unkenntnis seitens eines FDP Bürgermeisters ist schon wirklich amüsant.

NPD Blog Info berichtet ausführlich über das Interview, hier seien nur einige der interessantesten Passagen zitiert:

Um nicht mißverstanden zu werden: Ich verurteile jede Form der Gewalt auf das schärfste! Aber es ist schon ein Unterschied, ob die Inder unschuldig und aus fremdenfeindlichen Motiven überfallen, gejagt und dann verprügelt wurden, wie das jetzt von den meisten Medien dargestellt wird. Oder ob sich in einem Festzelt eine an sich unpolitische Prügelei entsponnen hat – an deren Entstehen die Inder überdies möglicherweise einen Anteil hatten. Und die dann in einer Flucht mündete, in deren Verlauf aus Wut dumme und unsägliche Parolen gerufen wurden – wobei noch nicht einmal geklärt ist, ob das wirklich die Tatbeteiligten waren oder irgendwelche trittbrettfahrenden Zaungäste.

Oder:

Wieso spricht dann der ehemalige Regierungssprecher und Vorsitzende des Vereins „Gesicht zeigen!“, Uwe-Karsten Heye, mit Blick auf Mügeln von Meidezonen für Ausländer, sogenannten „no-go areas“, in den neuen Bundesländern?

Deuse: Ich weiß nicht, ob es solche Zonen überhaupt gibt, mir zumindest sind keine bekannt. Und Mügeln ist ganz bestimmt keine.

Auch sehr lustig:

Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo wiederum wirft Ihnen vor, daß Sie Rechtsextremismus als Ursache für den Vorfall ausgeschlossen haben.

Deuse: Ja, ich sage klipp und klar: Rechtsextremismus schließe ich aus. Denn es besteht ein Unterschied zwischen ausländerfeindlichen Parolen von Betroffenen und Rechtsextremismus.

Und was geht hier ab?

Auch Angela Merkel hat sich eingeschaltet.

Deuse: Es ist natürlich klar, daß die Bundeskanzlerin nicht extra nach Mügeln reisen kann.

Auch ihre Äußerung enthielt keine Beistandsadresse für die Mügelner, sondern eine Verurteilung der skandalisierten Geschehnisse.

Deuse: Das mag sein, sie steht eben auch unter Druck.

Inwiefern?

Deuse: Kein Kommentar.

Jetzt wird’s richtig krass. Deuse vergleicht Mügeln mit Sebnitz!

Das heißt, Sie sehen Mügeln als eine Art neues Sebnitz?

Deuse: Was Sebnitz ausmachte, war die Vorverurteilung einer Stadt durch Medien und Politik: Urteilen, ohne die Fakten zu kennen! Diese Definition paßt auch auf Mügeln, insofern sehe ich Mügeln in der Tat als neues Sebnitz. Es enttäuscht mich, daß die Medien aus Sebnitz und auch aus dem Fall Potsdam vom April 2006 offenbar nichts gelernt haben. Damit schaden unsere Medien Deutschland erheblich: Denn entgegen der Wahrheit klagen wir uns selbst vor aller Welt als Hort des Rechtsextremismus an. Und im übrigen fürchte ich, daß all dies dazu beiträgt, daß der Fall vielleicht niemals vollständig aufgeklärt wird.

Jetzt kommt die Patriotismuskeule Lachend

Haben Sie auch die deutschen Opfer besucht?

Deuse: Die waren da schon wieder entlassen. Sonst hätte ich das selbstverständlich auch getan. Aber ich verstehe, was Sie meinen. Ich kann diese Verklemmung bei uns Deutschen selbst nicht verstehen. Ich bin Jahrgang 1948 und habe mit dem braunen Terror von damals nichts zu tun, und deshalb frage ich mich: Warum können wir Deutsche eigentlich nicht – so wie das doch 2006 zur WM sehr schön gelungen ist – unverkrampft zu uns selbst stehen? Warum dürfen nicht auch wir mal unseren Nationalstolz zeigen? Ich zum Beispiel bin stolz darauf, Deutscher zu sein, aber wenn ich das sage, lande ich ja schon wieder in der Ecke. In anderen Ländern, etwa in Frankreich, ist man wie selbstverständlich von rechts bis links stolz darauf, Franzose zu sein. Das ist doch schön.

Und schließlich der grandiose Abschluss:

Hätten Sie bei der Wende 1989 geglaubt, daß wieder eine Zeit kommt, in der Sie Ihre Meinung nicht offen sagen können?

Deuse: Nein, aber das ist eben die tiefe Kluft, die bei uns zwischen Medien und Volk entstanden ist.

Sie meinen wie vor 1989 zwischen Volk und Partei

Deuse: Das haben Sie gesagt.

Herrn Deuse kann sich jedenfalls gewiss sein, dass er noch lange im Gespräch bleiben wird: durch die Kabarettisten dieser Republik.