In der Nacht auf den 26. April 1986, also vor genau 25 Jahren, ereignete sich im Block 4 des Lenin-Atomkraftwerks im ukrainischen Tschernobyl ein katastrophaler Unfall. Durch ein misslungenes Experiment kam es im Reaktorkern zu einer Knallgasexplosion, die den Reaktor zerriss und radioaktives Material in die Luft schleuderte. Unmittelbar am Unfallort starben zwei Menschen die von den Trümmern erschlagen wurden, weitere 30 Menschen starben in der Folgewoche bei den Rettungsarbeiten.

Wie viele Menschen tatsächlich aufgrund der Katastrophe starben bleibt unbekannt. Die Zahlen schwanken zwischen 10.000 und 250.000 Menschen. Insgesamt verloren 20.000 Menschen ihr Zuhause, weil sie evakuiert wurden. In der 30 km-Sperrzone rund um das Atomkraftwerk kam es zu einer regelrechten Mutation der Tier- und Pflanzenwelt. Tiere hatten häufig Fehlgeburten oder brachten Nachkommen mit starken Missbildungen zur Welt, beispielsweise mit zu vielen oder zu wenigen Beinen, oder sogar ohne Augen. Die Bäume bekamen zusätzliche Kronen und ihre Blätter verformten sich.

Aber wie konnte das alles passieren?

Bei einem Experiment sollte am 25. April 1986 überprüft werden, ob die Turbinen des Kraftwerks bei einem kompletten Stromausfall noch genug Strom produzieren um die Notkühlung des Reaktors zu sichern. Das Projekt wurde jedoch kurzfristig auf später Abends bis Nachts verschoben. Die Menschen die in der Nacht zum 26. April Nachtschicht hatten waren jedoch völlig unvorbereitet.

Durch einen Bedienungsfehler fiel die Reaktorleistung ab. Daraufhin wurden Brennstäbe entfernt, was dazu führte, dass der Reaktor schwerer zu beherrschen war. Man entschied sich trotzdem das Experiment durchzuführen. Allerdings wurden zu viele Kühlpumpen zugeschaltet, was dazu führte, dass die Leistung des Reaktors wieder sank. Das ihn umfließende Wasser wurde somit nicht mehr verdampft und begann aufzukochen. Einige Leute beschlossen den Test abzubrechen, doch sie wurden regelrecht angetrieben weiterzumachen.

Durch das siedend heiße Wasser begann die Reaktorleistung nun wieder anzusteigen. Spätestens ab diesem Punkt wäre das Notprogramm des Atomkraftwerks, der sogenannte Havarieschutz angelaufen und hätte die Katastrophe verhindern können. Dieser wurde jedoch für das Experiment abgeschaltet. Ein/e Mitarbeiter/in betätigte den Havarieschutz kurz darauf manuell, doch wegen eines Konstruktionsfehlers kam es zu einer Kettenreaktion, die letztendlich dazu führte, dass es in der aktiven Zone des Reaktors zu einer chemischen Reaktion kam, bei der sich Wasserstoff und Sauerstoff bildeten. Also Knallgas.

Am 25.April 1986 um 23:58 Uhr kam es zu einer Knallgasexplosion, die den Reaktor zerstörte und seinen radioaktiv strahlenden Inhalt nach außen warf.

25 Jahre scheinen eine lange Zeit zu sein, doch unter den Folgen des Unfalls von Tschernobyl werden noch viele Generationen leiden müssen. Die geschätzten 10.000 bis 250.000 Todesopfer sind zurückzuführen auf Spätfolgen der Verstrahlung. Dabei sind die Todesursachen Krebserkrankungen, Immunsystemerkrankungen, Herzkreislauferkrankungen und Selbstmord aufgrund von Depressionen.

Die Krebs- und Kindersterblichkeitsrate steigt in den verstrahlten Gebieten stark. Und generell ist der gesundheitliche Zustand von Kindern die in Strahlengebieten aufwachsen mehr als bedenklich.

Bei der Explosion entwichen unter anderem chemische Elemente wie Plutonium239, welches eine Halbwertzeit von 24.110 Jahren hat.

Und auch heute kosten die Wiederaufbauarbeiten in den betroffenen Regionen noch mehrere Millionen US-Dollar. Ab 2015 soll ein Bogen von 105 m Höhe und einer Spannweite von 257 m um die Ruine des Kernkraftwerks gebaut werden, der diese mindestens 100 Jahre bedecken soll. Die Kosten die dafür anfallen werden auf 1,54 Milliarden Euro geschätzt.

Genau wie die Katastrophe von Tschernobyl wurden nun auch die Vorfälle in Fukushima auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse mit der Höchststufe 7 „katastrophaler Unfall“ eingestuft. Des weiteren findet man einige Parallelen zwischen den beiden Fällen. Auch in Fukushima kam es zu einer Knallgasexplosion. Die Folgen sollen mindestens gleich schlimm sein. Auch die Region um Fukushima herum wird nun unbewohnbar bleiben, und auch unter dieser schwerwiegenden Katastrophe werden noch viele Generationen leiden.

Die Atomlobby behauptet immer noch, dass Atomkraft sicher und auf dem neusten Stand der Technik sei, doch nach einer Deutschen Risikostudie liegt das Risiko, dass es innerhalb von 40 Jahren zu einer solchen Katastrophe in Europa kommt bei 16%. Weltweit liegt das Risiko bei 40%.

Schon bei den Vorfällen von Tschernobyl argumentierte die Atomlobby damit, dass es sich nur um einen Ausnahmefall handle, und dass kein Grund zur Sorge bestehe. Fukushima ist nicht der einzige Beweis dafür, dass das nicht wahr ist!

Am 30. September 1999 kam es in Takaimura zu einem schweren Unfall bei dem zwei Arbeiter/innen starben und hunderte von Menschen verstrahlt wurden. Und auch vor Tschernobyl kam es mehrmals zu schweren Störfällen, so wie 1957 in Windscale/Sellafield. Damals sagte man dass etwa 1.000 Menschen an den Folgen des Unfalls dort sterben würden.

In Deutschen Atomkraftwerken kam es insgesamt schon zu mindestens 154 meldepflichtigen Vorfällen, von denen mindestens 6 der zweithöchsten Kategorie „Eilmeldung“ zuzuordnen sind.

Deswegen, und aus zahlreichen weiteren Gründen ist es an der Zeit etwas GEGEN Atomkraft zu unternehmen!