Kein Nazi-Zentrum in Gonzerath und anderswo!

Ein Demobericht eines Mitglieds

Wenn ich es pessimistisch betrachten wollte, so bin ich heute insgesamt drei Stunden über die Hunsrückhöhenstraße gejagt, nur um dem NPD-RLP-Vorstitzenden Marx mal kurz mit der GJ-Flagge zu winken. Ich will es aber viel lieber so sehen, dass ich in Gonzerath erfahren durfte, wie stark der antifaschistische Gedanke in unserer Gesellschaft verankert ist und sich aufgrund dieser Erfahrung die wegen Orkanböen nicht ganz unproblematische Anreise gelohnt hat.

Schon zwei Kilometer vor der kleinen Ortschaft zwischen Simmern und Trier konnte ich das Ausmaß dieser Demonstration absehen. Ganze Felder waren zugestellt mit Autos, an der gesperrten Landstraße bildete sich eine kilometerlange Autoschlange. Die Polizei kontrollierte nur Antifas und Punks und die waren nicht sehr zahlreich vertreten, vermutlich machen sie alle Urlaub in Dänemark. Etwa drei bis vier dutzend Autonome waren nachher auf der Demo zu finden. Als ich dann in den Ort reingelaufen bin, hat es mich ein bisschen an Gorleben zur Castor-Zeit erinnert. Statt den typischen gelben Xsen, die dort überall anzutreffen sind, gab es in Gonzerath Schilder mit durchgestrichenen Hakenkreuzen oder „NPD?-Nein Danke“-Aufkleber. An jedem Haus, an jedem Zaun, an jedem zweiten Baum waren sie angebracht.

Die Demo selbst fand unmittelbar vor dem Nazizentrum statt, welches durch Absperrgitter und erstaunlich wenige Polizeieinheiten geschützt wurde. Das Demogelände war gerammelt voll. Flaggen von DGB, JuSos, Antifa, GdP (Gewerkschaft der Polizei) und Grünen waren auszumachen. Ansonsten war ganz Gonzerath ziemlich geschlossen erschienen, denn der Ort hat nur etwa 1200 Einwohner, auf der Demo waren aber gut über 2000 Leute. Es gab fünf sehr gute Reden, unter anderem von Joachim Mertes (Landtagspräsident) und dem NDC. Zwischen den Reden wurden den UnterstützerInnen für die Mobilisierung gedankt, unter anderem der GJ RLP…

Obwohl der Kreistag geschlossen, also samt CDU-Fraktion, zur Demo aufgerufen hatte, waren CDU und FDP nicht vertreten.

Die NPD-Funktionäre selbst zeigten sich unbeeindruckt die ganze Zeit am Fenster und filmten die Demo. Sinnvollerweise ging die Polizei dieses Mal nicht gegen die DemonstrantInnen vor, die sich klugerweise vermummt hatten, sondern beschlagnahmt die Videoaufnahmen und Aufnahmegeräte der NPD. Dies beweist, dass der Polizei durchaus bewusst ist, dass Nazis Antifa-Demos filmen, um nachher gezielt jagt auf einzelne Personen zu machen. Umso unverständlicher, dass auf solchen Demos das Vermummungsverbot gilt.

Dass die NPD trotzdem sehr beeindruckt von der Demonstration war zeigte sich jedoch darin, dass sie ihre Einweihungsparty abgesagt haben. Die wollen sie jetzt im Mai nachholen. Wir werden das zu verhindern wissen.

Mehr Infos zum geplanten Schulungszentrum: www.kein-nazizentrum.de.vu