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Frauen bilden Banden

Politisches Frühstück für junge Frauen war ein großer Erfolg

Bericht von Larissa Hauer

Am Sonntag, den 6. April 08, hatten sich 16 Frauen im Frauenzentrum Mainz eingefunden, um auf Einladung der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz und der Heinrich Böll Stiftung bei einem ausgiebigen Frühstück über frauenpolitische Themen zu diskutieren. Warum gibt es in der Politik immer noch zu wenige Frauen, was können wir dagegen tun, und was hat jede Einzelne für Erfahrungen gemacht? Das waren die Hauptfragen, die wir uns gestellt hatten, und die Tatsache, dass das „Frühstück“ für die Letzten erst am späten Nachmittag endete, zeigt, wie sehr das Thema vielen Frauen auf der Seele brennt und welchen erheblichen Bedarf es gibt, sich hierüber auszutauschen.

Die Teilnehmerinnen waren Frauen zwischen ca. 15 und 26 Jahren, die teilweise in der GJ, der LandesschülerInnenvertretung (LSV), der Hochschulpolitik, in Frauen- und Lesbenprojekten, oder (noch) nirgendwo aktiv waren.

Nach einem Kennenlernspiel und der Eröffnung der Schlacht aufs (natürlich vegetarische bzw. vegane) Büffet berichtete Regine Hungershausen, hauptamtliche Mitarbeiterin des Frauenzentrum Mainz, über die vielfältige Arbeit, die das Frauenzentrum leistet. Diese reicht von psychosozialer sowie Rechtsberatung über die Betreuung verschiedener Gruppen bis hin zu regelmäßigen Freizeit- und Kulturveranstaltungen.

Anschließend stellte Alisa Volkert aus der Frauenkommission des Bundesverbands der GRÜNEN JUGEND Maßnahmen zur Frauenförderung in Verbänden vor. So kann z.B. über eine Frauenquote (sowohl für Ämter als auch in Debatten) eine stärkere Beteiligung von Frauen erreicht werden. Dennoch ist dies kein Allheilmittel, so fehlen z.B. in der GRÜNEN JUGEND trotz Quote immer wieder Frauen für Bewerbungen und Debatten, bzw. bewerben sich Frauen oft nur einmal und bleiben nicht länger aktiv. Daher sind weitere Maßnahmen wie Frauenvollversammlungen, Frauenforen auf Mitgliederversammlungen, die Einrichtung des Posten eines/r genderpolitischen SprecherIn, sonstige Gremien die sich mit dem Thema Gleichberechtigung auseinandersetzen (wie bei der GJ die Frauenkommission und das Fachforum Gleichberechtigung), Mentoringprogramme und nicht zuletzt auch der persönliche Umgang gerade mit Neumitgliedern sehr wichtig.

Eine weitere wichtige Feststellung ist auch, dass Sexismus leider auch vor linken Verbänden und Gruppierungen, die eigentlich Geschlechtergerechtigkeit als ihr Ziel sehen, nicht Halt macht, und so fand sich zwischendurch immer wieder Zeit für die eine oder andere besorgniserregende „Anekdote“ aus den alltäglichen Erfahrungen der Teilnehmerinnen.

Eine weitere Strategie der Frauenförderung wurde von Anne Grossart vorgestellt: die Bildung von Frauennetzwerken. Anne erklärte am Beispiel des Netzwerks junger Frauen, das sie selber mitgegründet hat, wie ein solches Netzwerk aufgebaut und gepflegt werden kann. Außerdem machte sie uns auf die Kampagne Mehr Frauen in die Politik des Ministeriums aufmerksam, welche im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2009 in Rheinland-Pfalz ins Leben gerufen wurde.

Aus dem politischen Frühstück entstand eine Art Mini-Netzwerk, da die Teilnehmerinnen vereinbarten, über einen Emailverteiler interessante frauenpolitische Links u.ä. auszutauschen. Frauen, die Interesse haben, dort aufgenommen zu werden, können sich bei anna.weiss [at] gj-rlp.de melden.

Die Teilnehmerin Stephanie Mayfield machte auf das spannende Projekt www.gorizi.de aufmerksam, an dem sie gerade arbeitet. Das ist ein bundesweites Internetportal für junge Lesben, das momentan ein Forum, einen Chat und Kontaktanzeigen bietet und dessen Funktionen in Zukunft noch um eine Projektbörse zur Planung von Aktionen und einen Veranstaltungskalender erweitert werden sollen.

Unter Leitung von Simone Renker aus dem Landesvorstand  der GJ RLP gab es dann noch ein Rollenspiel zu geschlechtsspezifischem Gesprächsverhalten, in dem fünf Teilnehmerinnen einen Konzernvorstand mit vier Männern und einer Frau nachahmten, während die restlichen Teilnehmerinnen darauf achten sollten, welche Praktiken und Verhaltensweisen die Männer gegenüber der Frau an den Tag legten, und wie die Frau reagierte. Die Ergebnisse wurden per Kartenabfrage festgehalten und geclustert, sowie mögliche Gegenstrategien der Frau diskutiert.

Schließlich klang das Frühstück mit einer Abschluss-Feedbackrunde aus, in der sich alle einig waren, dass der Tag eine Menge Spaß, Mut und Information gebracht hatte und ein solches Frauentreffen unbedingt wiederholt werden muss!

Achja: es ist doch immer wieder verblüffend, dass Redelisten und nervige Diskussionen, wer nun was beim Aufräumen übernimmt, in reinen Frauengruppen nicht wirklich nötig sind. Aber, liebe Männer, wir haben die Hoffnung in euch noch nicht aufgegeben;-) und möchten das Thema Frauenförderung und Gleichberechtigung in Verbänden auch mit euch gemeinsam diskutieren: zur nächsten Landesmitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND am 26.07. in St. Goarshausen haben wir Mitglieder der Frauenkommission dazu eingeladen, uns ihr Frauenförderungskonzept vorzustellen und gemeinsam mit euch zu besprechen.