Trotzdem 3/2003

FaFos in AKTION
Bericht des Bundes-FaFo Bildung

Endlich hat nun auch der Bundesverband der Grünen Jugend (wieder) etwas, was wir in Rheinland Pfalz schon lange haben: Ein Fachforum Bildung.
Nachdem sich Anfang März die Emailliste langsam wiederbelebte haben wir es geschafft innerhalb von „nur“ drei Monaten das erste Treffen zu organisieren. Am Pfingstwochenende haben sich in Magdeburg leider nur wenige Interessierte getroffen um dem erst auf dem letzten Bundesausschuss wieder anerkannten Fachforum ein neues Gesicht zu verleihen. Unter dem Schwerpunkt „PISA/PISA-E und was macht Skandinavien besser“ haben wir uns selber eine Grundlage gegeben eigene Schwerpunkte herauszuarbeiten.

Nils Wiechman unser für Bildung zuständiger Landtagsabgeordneter aus RLP hat uns in das Thema eingeführt und die vielen, teils schon bekannten, Fakten über die beiden Studien aufgefrischt. Ein Film der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat dann an konkreten Beispielen Unterschiede in den Schulsystemen aufgezeigt.
Nach eigenen Erfahrungen durch einen Besuch an einer finnischen Schule musste Nils aber auch sagen, dass die Schulen zwar auch finanziell besser unterstütz werden, dass aber der philosophisch andere Ansatz das entscheidende sei. In der Aussprache wurden die größten Unterschiede offensichtlich:

Frühe Förderung statt späte Unterstützung der Elite

In allen skandinavischen Ländern hat man erkannt, dass von Anfang an alle gefördert werden müssen – und das möglichst individuell. Vorschulen für alle und die auch nicht nur als Hort oder Aufbewahrungsmöglichkeit für Kinder, deren Eltern arbeiten wollen oder sogar müssen, sondern tatsächliche Lerneinrichtungen.
Gerade kleine Kinder sind besonders lernfähig für Sprachen und deshalb ist es in Finnland selbstverständlich, dass alle Kinder finnisch und schwedisch können, sondern auch ab der ersten Klasse eine erste Fremdsprache, meisten Englisch lernen. Anders als bei uns investieren diese Länder mehr in die Bildung der Kleinen. Bei uns gehen die meisten Ausgaben an die Oberstufe der Gymnasien.

Eine Schule für alle

Finnische Schulen sind „Gesamtschulen“ auch wenn der Begriff nicht mit dem Deutschen gleichgesetzt werden sollte. Es sind also weniger eine Schule, die alle drei Kategorien unter einem Dach vereint, sondern mehr drei Dächer, die jeweils kleineren Gruppen unterschiedlicher Altersgruppen einen Lernraum, eine Lernwerkstatt vielleicht bietet.
Auch hier ist die Individualität besonders wichtig. JedeR SchülerIn hat unterschiedliche Fähigkeiten; Während man in Deutschland daraus schließt, dass diese möglichst auseinander zu dividieren sind, setzt man in Finnland auf gezielte Förderung aller.
Dazu werden nicht nur Lehrer nach unserem Verständnis eingesetzt sondern auch ErzieherInnen, PädagogeInnen und PsychologeInnen, denn ein Schwerpunkt muss die Diagnose und das Erkennen der Schwächen der SchülerInnen sein.

Noten sind verboten?!

Auch wenn bei uns immer wieder behauptet wird, dass ohne Noten Schule keinen Sinn machen würde und die Schüler dann entgültig abschalten, so können uns auch da die Skandinavier aus der Erfahrung anderes Berichten.
In Finnland gibt es bis nach der 9. Klasse keinen Noten sondern schriftliche Evaluationen. Damit kann der/die LehrerIn, bzw. das Team von LehrerInnen sehr wohl deutlich machen, wo die Leistungen des/der SchülerInS, besonders gut oder schlecht sind.
Natürlich kennen auch die finnischen LehrerInnen, dass Problem der Motivationslosigkeit von SchülerInnen in der Pubertät. Dem wird jedoch nicht mit Druck durch schlechte Noten entgegengewirkt, sondern mit gezieltem Eingehen auf den/die EinzelneN.

Was tun?

Da auch dem Fachforum schnell auffiel, dass wir das vielleicht alle gut und schön finden, aber Änderungen des deutschen Schulsystems in eine solche Richtung auch von der Gesellschaft und den Eltern im speziellen mitgetragen werden müssen, wollen wir bei den nächsten Treffen zunächst einzelne Punkte fokussieren und dann intensiv bearbeiten.
Grundschulen sind unserer Meinung nach noch sehr mangelhaft im Vergleich zu den finnisch und schwedischen Vorbildern. Fremdsprachen insbesondere sollten nicht nur Lehrer sondern auch Pädagogen in enger Teamarbeit früher in eine Schule einbringen, die nicht vom 45 Minuten Takt abhängig ist. Die Frage der Autonomie der einzelnen Schule ist in dem Zusammenhang auch wichtig.
Das Fachforum will mit Hilfe von zwei neugewählten Koordinatoren auf dem kommenden BuKo, der Bildung zum Leitthema haben soll, mindestens einen, wenn möglich auch mehrere Workshops zu verschiedenen Themen anbieten. Auf einem FaFoTreffen kurz nach dem BuKo wollen wir dann ein Positionspapier für den Bundesverband erstellen.
Das Fachforum würde sich über zusätzliche rauchende Köpfe aus Rheinland Pfalz besonders freuen.

Heiner Koordinator
Fachforum Bildung Bundesverband