„Feminismus + Pazifismus?“

Der 15. Mai ist der internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung. 2010 steht er unter dem Motto „Frauen und Kriegsdienstverweigerung“. Dies nimmt die GRÜNE JUGEND Mainz zum Anlass, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen:

Kriegsdienstverweigerung – ein Thema für Frauen?

Wir, die GRÜNE JUGEND Mainz, sehen einen Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Frauen, einer militarisierten Kultur, der Rüstungsindustrie sowie einem männerfokussierten Zwang zur Wehr. Zunehmendes martialisches Gedankengut in Gesamteuropa begreifen wir unter anderem als Ausprägung einer patriarchalen Gesellschaftsstruktur, die Gewalt auf allen Ebenen ausdrückt. Weil Frauen Opfer des Krieges sind; weil Frauen in Kriegen verstümmtelt und getötet werden und in einigen Ländern selbst zum “Dienst an der Waffe” oder zur Unterstützung des Krieges gezwungen werden, ist die Ablehnung des Krieges unserer Auffassung nach auch ein feministisches Thema.

Beispiel: Afghanistan

Anstatt verstärkt zivile Hilfe zu leisten, die auch Frauen zugute kommt und sie in ihrer gesellschaftlichen Stellung stärkt, wird weiter aufgerüstet; vor allem die Polizei vor Ort. Während bessere Bildung die Situation von Frauen in einem Land beispielsweise massiv und nachhaltig verbessern kann, ist das Gegenteil der Fall, wenn mehr Männer Waffen zur Hand haben: Solange der Anteil an Männern in Polizei und Militär deutlich überwiegt, gewährleistet eine Aufrüstung nicht die Sicherheit von Frauen, sondern zementiert die Macht der privilegierten Männer, vor allem auch gegenüber Frauen, die ihnen ausgeliefert sind.

Beispiel: Deutschland

Auch in Deutschland können Frauen im Kriegsfall zur Unterstützung des Militärs verpflichtet werden und haben im Gegensatz zu Männern kein Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen gem. Art.12a Abs. 4 iVm Art. 4 Abs 3 GG.
So kann z.B. eine Frau als Arbeiterin in einem Stahlbetrieb von ihrem Vorgesetzten verpflichtet werden, Ketten für Panzer zu entwerfen; sie hat keine rechtliche Handhabe, ihren Arbeitgeber zur Versetzung auf eine ausschließlich zivile Arbeitsstelle zu zwingen. Die Arbeit aus Gewissensgründen zu verweigern ist ihr schlicht nicht möglich, womit ihr im Falle einer (dann: selbstverschuldeten) Kündigung das Arbeitslosengeld gesperrt würde.
Auch in einigen Ländern, wie beispielsweise Israel, besteht ohnehin ein Waffenzwang auch für Frauen!

Daher fordern wir:

  • Die Abschaffung jeglichen Kriegsdienstzwanges, der in Deutschland derzeit nur Männer betrifft und damit gleichzeitig sexistische Vorurteile reproduziert (“Frauen können so etwas nicht”)
  • Langfristig: die Abschaffung von Kriegszwang weltweit & internationale Abrüstung
  • Jetzt: eine Berufsarmee die Frauen und Männern gleichermaßen offen steht
  • Ein Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung ohne Angabe von Gewissensgründen für zivile (Kriegs)zuarbeit, Berufssoldaten und Wehrpflichtige weltweit

Anstatt durch Kriege Gemeingüter und zivile Strukturen zu zerstören muss eine weltweite Zusammenarbeit zum Wohle aller in den Vordergrund treten. Die GRÜNE JUGEND Mainz glaubt, dass die Überwindung männergeprägter Machtstrukturen dazu führen wird, dass weniger Kriege auftreten. Dazu können Männer wie Frauen gleichermaßen beitragen:
“Eine andere Gesellschaft muss auch eine liebevollere sein” (Konstantin Wecker)

Unseren Flyer hierzu gibt es hier