Pressemitteilung 15/2012 der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz

Wir sind für Fußball, aber gegen Nationen

Auf die Kritik des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Biebricher an der Grünen Jugend antwortet Jan Stich für den Landesvorstand der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz:

In seinem Aufsatz malt Andreas Biebricher das Bild eines großen, nationalen Fußballfestes, bei dem alle ausgelassen mitfeiern und nur die Grüne Jugend nörgelnd daneben steht. „Das ist auf zwei Arten falsch“, bemerkt Jan Stich, Sprecher der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz, „einmal freuen sich bei uns natürlich auch viele Sportfans, wenn sie jeden Abend Fußball auf Weltklasse-Niveau im Fernsehen anschauen können. Andererseits werden auch dieses Jahr und auch in Rheinland-Pfalz Menschen, die nicht in das Klischee des Blutsreinen Deutschen passen, vom Fest ausgeschlossen.“ Die Rhein-Zeitung berichtete diese Woche, mehreren Menschen sei aufgrund ihrer Hautfarbe der Zutritt zum Public-Viewing in Neuwied verwehrt worden. Auch wenn diese Geschichte von vielen angezweifelt wird, solche Übergriffe sind leider keine Einzelfälle und auch die Leser*innenkommentare unter den Artikeln über solche Vorfälle legen eindrucksvoll dar, wie menschenverachtend viele dieser Patriot*innen denken.
„Natürlich sind offen rechtsradikale Rassist*innen bei den meisten Fußballfesten hier eine absolute Minderheit“, stellt Landesvorstandssprecher Jan Stich klar, „aber sie sind eine tolerierte Minderheit die sich im deutschtümmelnden Fahnenmeer herrlich wohl fühlt.“ Der Fall aus Neuwied bestätigt, was antifaschistische Gruppen bei allen großen Fußballturnieren in den letzten Jahren erleben mussten. Die Feste bieten Anlass für Nazis öffentlich aufzutreten und die feiernde Menge toleriert sie. „Menschen fürchten um ihr Leben und weil wir darauf hinweisen und nicht in Reih und Glied mitfeiern, sind wir Spielverderber*innen.“

„Wir reißen keine Flaggen ab und wir werden sicher auch keine Fanfeste belästigen. Wir singen nur nicht mit, wenn ihr die Hymne anstimmt und wir hissen die Flagge nicht. Wir wollen nur eine Alternative zum ausgrenzenden Nationalrausch bieten und weisen höflichst darauf hin, dass die, die den Patriotismus/Nationalismus verharmlosen, mit dem Feuer spielen. Wenn Ihr Party-Patriotismus tatsächlich so entspannt und lässig ist, dann dürften sie damit doch kein Problem haben“ fragt sich Jan Stich, „oder haben wir sie da falsch verstanden, Herr Biebricher?“