beschlossen auf der 45. LMV

Die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz fordert, dass sämtliche Hardware auf dem Markt für Software von DrittanbieterInnen offen steht. Eine Bevormundung der KonsumentInnen durch die ProduzentInnen ist strikt abzulehnen und wo immer möglich zu bekämpfen.

Begründung: Stellen wir uns einmal vor, in unseren Briefkasten aus dem Hause Axel-Springer könnten nur Abonnements von Bild und Welt ankommen; unser RTL-Fernseher kenne nur das infernalische Dreigestirn RTL, RTL2 und Super RTL oder unser Opel-Auto würde nur Benzin aus Opel-Zapfsäulen zulassen. Das wäre doch ziemlich doof, oder?

Freie Märkte für freie Geister

Beim Autokauf auf einem freien Markt ist es vollkommen normal, dass die KundInnen aus einer breiten Palette von Produkten untereinander konkurrierender HerstellerInnen wählen können. Auch beim Teilekauf sind sie nicht verpflichtet, Originalteile des Herstellers nachzubestellen. Jede Konstruktion die den TÜV schafft und damit den Straßenverkehr nicht gefährdet, ist rechtlich unproblematisch. Bei der Software für Smartphones ist das nicht so einfach. Zwar gibt es für das Iphone weit mehr Produkte als nur Trabant und Wartburg, doch wie damals in der DDR bekomme ich sie alle nur bei einem Händler: dem App-Store.

Oft verstecken die HerstellerInnen den Softwarezugang ihrer Geräte heute hinter komplizierten Codes und Sicherheitssystemen, die unabhängigen EntwicklerInnen den Zugang zu ihren Geräten verwehren sollen. Dadurch blockieren die ProduzentInnen der Hardware die freie Softwareentwicklung zu Gunsten ihrer Programme. Das hemmt die generelle Entwicklung, zwingt kleine und mittlere Softwarefirmen, sich für Exklusivverträge von den HerstellerInnen versklaven zu lassen und blockiert kluge Lösungen.

Ähnliche Entwicklungen gibt es mittlerweile bei MP3-Playern, Tablets, Spielkonsolen, Navigationsgeräten, Bordcomputern von Autos, Kaffeemaschinen, Radios, DVD-Playern, und auf vielen andern Feldern. Dank der fortschreitenden Vernetzung unserer alltäglichen Geräte sind immer mehr Maschinen auf interne Betriebssysteme angewiesen.

Medienkompetenz beginnt beim Gameboy

Bei einem Super Nintendo mag es noch nicht besonders dramatisch gewesen sein, dass es nur Spiele aus dem Hause Nintendo zuließ. Doch selbst einfache Spielkonsolen sind heute viel mehr als nur Spielzeuge. Mit Internetanschlüssen, Videoportalen, Onlineshops und Sozialen Netzwerken bilden sie mittlerweile für viele Kinder und Jugendliche den ersten Kontakt mit dem weltweiten Netz. Medienkompetenz muss auch bedeuten, sich gegen jegliche Bevormundung zu wehren.

Die IngenieurInnen bei Apple, Microsoft und Sony mögen noch so brilliante TüftlerInnen sein, sie haben kein Recht einer aufgeklärten und kritischen Öffentlichkeit vorzuschreiben, welche Inhalte für sie geeignet seien und welche nicht. Gerade das vermeintlich noble Bemühen um Jugendschutz dient vielen Firmen als Einfalltor um nebenbei noch allerlei andere, unerwünschte Inhalte zu sperren. Welche Inhalte eine Gesellschaft zulässt und welche nicht, hat nur einer zu entscheiden: Sie selbst. Mit der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien haben wir in Deutschland bereits eine Institution für den Jugendschutz bei der zwar vieles mehr schlecht als recht abläuft, die im Gegenteil zum Nintendo-Vorstand jedoch wenigstens einer gewissen demokratischen Kontrolle unterliegt.

Nähere Informationen zu diesen Problemstellungen finden sich beispielsweise auf der Homepage der Open Hardware Summit: www.openhardwaresummit.org

 

„if you can’t open it, you don’t own it!“ – the Maker’s Bill of Rights