JugendoffizierInnen in Schulen

Ein freundlicher Jugendoffizier der Bundeswehr, sich selbst betont jugendlich-locker gebend, stattete uns am sogenannten „Berufsorientierungstag“ einen Besuch ab, um für die Bundeswehr zu werben; und mensch denkt, die Bundeswehr sei eine Wohlfahrtsorganisation.

Wenn der Mann in der Uniform pathisch über die Aulabühne hüpft und von bezahltem Studium, hohem Verdienst und Aufstiegsmöglichkeiten erzählt, fangen GymnasiastInnenaugen an zu glänzen. Wenn er dann noch einen draufsetzt und von Wiederaufbauarbeit und ZivilistInnenschutzprogrammen in Afghanistan erzählt, könnte mensch sich fast denken, die SoldatInnen hätten statt Gewehren Tüten voller Schulbücher, statt Armeehelmen Partyhüte, statt Granaten Pusteblumen und statt Munition Süßigkeiten in der Tasche.

 

Warum die Bundeswehr nicht cool ist

Onkel Sam ist janusköpfig, er stellt sich gerne als Wohltäter der Menschheit dar, die hippe Einsatztruppe, die alle Probleme löst; wohl wissend, dass die andere Hälfte der Wahrheit verschwiegen wird.

Fakt ist, dass SoldatInnen sich verkaufen. Sie tauschen ihre persönliche Sicherheit gegen Geld ein, werden zu einem weiteren, sich trostlos drehenden Zahnrad der Kriegsmaschinerie, erhalten ihren Sold für die Bereitschaft, jederzeit auf Befehl zu töten. Wer zur Bundeswehr geht, verkauft seinen Körper und gibt seine Mündigkeit in die Hände der Vorgesetzten. Das marginalisiert Onkel Sam so lange und so gut er es kann.

Warum SoldatInnen keine Schulen bauen

Zur Ausbildung einer jeden Soldatin / eines jeden Soldaten gehört, dass er/sie lernt, möglichst lange zu überleben, um möglichst viele Feinde zu töten. Hierauf läuft auch das Einüben von Tötungsabläufen, sei es nun im Nahkampf oder mit Schusswaffen, hinaus: Die Rechnung lautet „pro GefallenEr x tote FeindInnen“, wobei x möglichst groß sein soll, damit der Krieg gewonnen wird. Wer in der Bundeswehr ist, tötet und stirbt, oder, wie ein Offizier der Bundeswehr schon treffend zum Fall zweier Soldaten, die aufgrund psychischer Krankheit aus Afghanistan nach Deutschland verlegt wurden, kommentierte: „Was glauben die denn, wo wir hier sind? […] Infanteristen sind in letzter Konsequenz dazu da, zu töten oder getötet zu werden“.

Schulen bauen Einheimische, MitarbeiterInnen von NGOs und Regierungsbeauftragte, SoldatInnen sind und bleiben, verbunden mit allen Konsequenzen, SoldatInnen und nicht mehr. Sie bringen durch ihre Anwesenheit viel eher die tatsächlichen HelferInnen in Gefahr, da diese durch den Kontakt zu militärischen Verbänden ihre unabhängige Stellung verlieren und selbst als SympathisantInnen des Militärs wahrgenommen werden.

Warum die Bundeswehr an der Schule nichts verloren hat

Laut §1 Abs. 2 des Schulgesetzes sollen SchülerInnen zum „gewaltfreien Zusammenleben“ erzogen werden. Dieser Grundsatz wird durch das stark eingeschränkte Weltbild der Militärs, die sich – entweder an Berufsorientierungstagen, oder mit ihrem Planspiel „POL&IS“ – an unseren Schulen tummeln, massiv unterlaufen. So ist es in Letzterem selbstverständlich, Atomwaffen als politisches Instrument zu verwenden und Rohstoffquellen mit Truppen zu beschützen. Das Gedankengut, welches hierbei vermittelt wird, stammt aus dem letzten Jahrtausend und trägt zu einer latenten Akzeptanz militärischen Handelns und militärischer Dogmen bei.

Wie wir die Bundeswehr wieder aus der Schule herausbekommen

Now it’s your turn: Kläre deine MitschülerInnen darüber auf, was sie in der Bundeswehr erwartet. Boykottiert das Planspiel „POL&IS“ ebenso konsequent wie andere Vorträge der JungendoffizierInnen mit eurer Klasse oder eurem Kurs. Sprecht eurEn KlassenleiterIn / KursleiterIn auf das Thema hin an, diskutiert das Thema.

Informiere dich zusätzlich über die JugendoffizierInnen an schulen, beispielsweise bei der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigung KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)“, die in ihrer Zeitung, dem „Friedlicht“ Nr. 54 vom März 2010 einen sehr ausführlichen Artikel zu dem Thema verfasst hat. Wenn du dennoch dazu gezwungen bist, einer/m JugendoffizierIn zuzuhören, dann durchbreche sein/ihr Mantra von Geld – Bildung – Wiederaufbau mit deinen kritischen Fragen!