Wir alle kennen es –  es ist Sommer, die Luft steht, der Asphalt glüht. Es ist unangenehm heiß und wir würden am liebsten den ganzen Tag im Pool oder zumindest im Schatten mit Ventilator verbringen. Gerade in einer Stadt wird die Luft deutlich wärmer als im Umland. Dieses Phänomen wird auch als „städtische Wärmeinsel“ bezeichnet und hat ganz verschiedene Ursachen. Zum einen entsteht in einer Stadt mehr Wärme durch menschliche Einflüsse (Verkehr, elektrische Geräte, Industrie etc.), zum anderen wird die Wärmestrahlung der Sonne durch die Bebauung zu einem größeren Teil in Wärme umgewandelt.

Kann Stadtbegrünung hier Abhilfe schaffen?

Mehr Grünflächen mit einer ausgewogenen Mischung verschiedener Pflanzen – von Rasen über Blumen, Sträucher bis zu Bäumen – sorgen auch in einer Stadt für eine bessere Luft, ein angenehmeres Klima und sogar bessere Laune.

Denn die Grünpflanzen filtern die Luft. Sie reduzieren damit die Feinstaubbelastung und können zudem den Lärm verringern. (BMUB: Grün in der Stadt − Für eine lebenswerte Zukunft)

Besseres Stadtklima durch Grünflächen

Ähnlich wie wir Menschen schwitzen und durch die Verdunstung vom Schweiß unsere Körpertemperatur regulieren, wird auch durch Pflanzen Feuchtigkeit zur Kühlung abgegeben. Die Pflanze verdunstet dabei gespeichertes Wasser bzw. saugt aus dem Boden weiteres Wasser nach. Durch diesen einfachen Prozess wird die Umgebung gekühlt bzw. die Temperatur begrenzt.

Ein anderer ‚Kühleffekt‘ durch Pflanzen ist sogar noch einfacher: Pflanzen reflektieren mehr Sonnenstrahlung als Asphalt. Außerdem speichert Asphalt (und auch andere Bauten aus Stein und Beton) die Wärme, sodass es auch nachts in der Stadt sehr warm bleibt – Pflanzen hingegen kaum.

Sinnvoll ist eine Durchmischung von kleinen und großen Pflanzen. Kleine Pflanzen bzw. Bodendecker verschatten die Erde, sodass der Boden nicht austrocknet. Große Pflanzen hingegen speichern mehr Wasser und wurzeln tiefer, sodass sie auch längere Zeit die Luft abkühlen können.An warmen Sommertagen spenden Bäume angenehmen Schatten. Auch auf Parkplätzen,  z.B. an Einkaufsmärkten, stellt man dann sein Auto lieber im Schatten eines Baumes ab, damit es sich nicht so aufheizt.

Grünzeug macht glücklicher

Es gibt verschiedene Studien, die eine positive Wirkung von Grünpflanzen auf die menschliche Psyche nachgewiesen haben. Angststörungen, Stresssymptome und sogar Depressionen treten weniger auf, wenn Grünflächen in der Nähe der Wohnung sind. (Doc Check News: Psychischer Stress: Mehr Grün, mehr Glück)

Auch der negative Einfluss von Lärm reduziert sich, da der pflanzliche Bewuchs schallschluckend wirkt. Massivbauten (Straße, Häuser, Brücken) hingegen wirken vor.

Und die Natur findet’s auch gut

Bäume bieten Nistplätze für Vögel, Sträucher bieten Schutz für Kleintiere wie Igel und Eichhörnchen. Außerdem wird weniger elektrische Energie für Klimaanlagen aufgewendet, weil weniger Wärme anfällt. (Der Einsatz von Klimaanlagen führt übrigens dazu, dass es zwar im Gebäude kühl, in der Umgebung aber noch viel wärmer wird.) Mehr Kleintiere und Vögel führend übrigens zu weniger Insekten und Spinnentieren, für die in der Stadt sonst die natürlichen Fressfeinde fehlen.

Wichtig ist dabei eine Vielfalt an verschiedenen Pflanzen. Das erhöht die Widerstandsfähigkeit der Grünfläche gegen Krankheiten und bietet gleichzeitig den verschiedenen Tierarten etwas zu essen.

Mensch, Natur und Geldbeutel freuen sich

Insgesamt kann also mit wenig Aufwand viel erreicht werden. Einmal angelegte Grünbereiche bleiben in der Regel auch grün, auch wenn die Bepflanzung sich natürlich durch umherfliegende Samen ändern kann. Alternativ können auch Beete für Bürger*innen (Urban Guardening) freigegeben werden, sodass jung und alt im öffentlichen Raum ihre Pflanzen wachsen lassen können. Gerade in Gegenden mit Mehrfamilienhäusern in denen es keine Gartenanlagen gibt, ist das eine gute Möglichkeit. Hierfür ist aber der politische Wille gefragt.

Eine andere Möglichkeit für mehr Grünflächen in der Stadt sind übrigens die Dach- und die Fassadenbegrünung. Richtig ausgeführt bieten sie im Sommer eine natürliche Kühlung des Gebäudes und können sogar die Lebensdauer von Dächern (auf Grund der reduzierten UV-Strahlung und geringeren Temperaturschwankungen) verlängern. Ihre Wirkung im Winter ist sehr gering, sorgen hier aber immernoch für eine leichte Wärmedämmung. Je nach Gebäudegröße fallen sogar geringere Niederschlagsgebühren an, da mehr Regenwasser zurückgehalten und nicht in die Kanalisation eingeleitet wird.

Weitere Quellen:

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