Flyer

von Kai Lüke

Am 27.02.2010 fand in Kooperation der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz mit der Heinrich-Böll-Stiftung RLP in der Uni Trier das Seminar „Kulturpolitik 2.0 – Teilhabegerechtigkeit und Freiheit im Internet“ statt.

Der Vormittag begann mit Kai Lüke als Referent und entwickelte Diskussionen über das Verständnis von Kunst und Kultur, die Entwicklung der Printmedien und Bücher hin zur Digitalisierung und über Internetkultur. Am Beispiel der Musik wurde die aktuelle Lage betrachtet und auf Vergütungsinstitutionen wie z.B. der GEMA, Umsatzzahlen der Branche und deren Entwicklung mit Filesharing, Abmahnungen, verstärkten Live-Auftritten, Pauschalvergütung im Internet bei Youtube oder kostenpflichtigen Anbietern und lizenzfreie Musik eingegangen.

Für Nahrung war an diesem Tag gut gesorgt und wir erwarteten Oliver Passek, den Sprecher der Bundesarbeitgemeinschaft Medien der GRÜNEN, als Referent für den Nachmittag.Er erläuterte einige Institutionen und den großen Rechtspulk, der sich um den Kunst- und Medienbereich entwickelt hat. Die Probleme der jetzigen Gesetze mit dem Internet und der neuen Vernetzungskultur der VerbraucherInnen und deren erwünschter Flexibilität wurden anhand von vielen Beispielen aufgezeigt, die Jugendliche im Alltag betreffen (z.B. CD rippen, um sie unterwegs weiterhören zu können). Oliver Passek ging auf den Aufstieg einer Hard- und Softwarefirma ein, die nun entscheidet, welcher Inhalt durch ihre mobilen Geräte verbreitet wird. Es gibt viele Wege, wie Musikstücke im Internet verbreitet werden kann, um damit Geld zu verdienen. In der offline-Welt sind Geldeinnahmen durch Pauschalvergütungen vorhanden, sodass sogar durch das illegale Kopieren Umsatz entsteht (Kopiererabgaben, Leermedienabgaben von CDs und USB-Sticks). Die GEMA verteilt pauschale Einnahmen nach einem Schlüssel, der verschiedenen Genres mehr oder weniger Qualität und damit Geld zuteilt. Die Relevanz wird auch durch repräsentative Umfragen und Playlists von Discos/Festen berechnet (Subkulturen bleiben also außen vor). Auch die Künstlersozialkasse oder staatlich getragene Kunstförderungen bietet finanzielle Sicherheit für KünstlerInnen. Damit das Internet nicht nur Marketinginstrument für Kunstschaffende ist, müssen die pauschalen Einnahmequellen auch im Internet wiederzufinden sein. Die Alternative namens DRM (restriktives Digital Rights Management), Abmahnungen (Geld geht an Anwälte und Labels) und Three-Strikes/HADOPI wird weder UrheberIn noch VerbraucherIn gerecht und daher sahen wir die Notwendigkeit einer Pauschalvergütung. Oliver Passek berichtete über die verschiedenen Fronten in der Politik, die rechtlichen Voraussetzungen für eine Kulturflatrate und deren mögliche Umsetzung.

HBS RLPAnschließend war noch Zeit für Diskussionen und die Ausarbeitung von eigenen Punkten, die Kultur für Jugendliche in Rheinland-Pfalz betrafen.
Als erhebliche Schwelle für den Besuch von kulturellen Einrichtungen wurde nicht nur der Eintrittspreis, sondern vor allem die schlechte abendliche ÖPNV-Anbindung gesehen. Auch die nicht ausreichende Förderung von alternativen Angeboten und die finanzielle Lage von Vereinen sahen wir problematisch, da dadurch hohe Kosten auf einzelne zukommen, sodass z.B. Eltern viel zahlen müssen, damit ihr Kind in einem Orchester mitspielen kann. Mehr Freiräume für Jugendkultur und Möglichkeiten zur Selbstverwaltung wären auch wünschenswert sowie die Erweiterung des Kulturbegriffs auf Jugendkultur.
Die weitgehenden Erfahrungen aus diesem Seminar werden nun von einigen Interessierten in die Landesarbeitsgemeinschaft der GRÜNEN weitergetragen. Die positive Position der GRÜNEN JUGEND zur Kulturflatrate/Pauschalvergütung wurde durch das Seminar gut verständlich und von den Teilnehmenden bestätigt.