Unser junges Neumitglied Nicolas aus der „GJ Vorderpfalz“ war am Wochenende zum ersten Mal auf einer unserer halbjährlich stattfindenden Landesmitgliederversammlungen und hat uns seine Eindrücke von unserer Tagung am Schneebergerhof geschildert:

Einmal bis zum Ende der Welt…und dann noch ein bisschen weiter. So etwa lies sich der Eindruck beschreiben, den einige von uns nach ihrer Ankunft in Schneebergerhof, einem Ortsteil von Gerbach, hatten. Nach einer unbeschwerlichen, knapp dreistündigen Anreise mit dem ÖPNV von Ludwigshafen aus hatte die Hälfte meiner „GJ-Vorderpfalz-Delegation“ also den Weg zu unserer Unterkunft für das anliegende Wochenende gefunden. Bis dann meine erste Landesmitgliederversammlung tatsächlich eröffnet wurde, waren auch der Rest meines Kreisverbandes Vorderpfalz angekommen.

Bevor ich fortfahre, von meinen Erlebnissen zu berichten, möchte ich einen kurzen Einblick in meine noch recht junge GJ-Historie geben. Im Sommer 2015 war ich das erste mal auf die GJ Vorderpfalz aufmerksam geworden und hatte mich mehr oder weniger regelmäßig zu unseren Treffen eingefunden. Dennoch wurde von Beginn an mit Begeisterung von den halbjährlich stattfindenden LaJuKos bzw. LMVs berichtet. Somit war auch schon der erste Kontakt mit der blühenden Abkürzungskultur in der GJ hergestellt. Nachdem ich also einige Zeit die Gelegenheit gehabt hatte, in unseren KV reinzuschnuppern, konnte ich überzeugt werden, an meiner ersten LMV teilzunehmen.

Im Laufe der ersten Stunden in unserer Unterkunft traf ich einige der Menschen, mit denen ich das kommende Wochenende verbringen würde und die Begrüßung verlief wie erwartet sehr offen und herzlich. Sicher ist das nicht immer selbstverständlich, wenn man als Unbekannter auf eine Gruppe von Menschen trifft, die sich im Kern schon recht gut und teilweise wirklich lange kennt. Dennoch hatte ich bei der GJ bzw. den Grünen allgemein bereits die Erfahrung gemacht, dass der Umgang auch mit neuen Gesichtern ganz locker ist und eine gute Integration in das vorgefundene Umfeld ermöglicht.

Im Folgenden will ich einige Aspekte des vergangenen Wochenendes aus meiner Perspektive präsentieren.
Ganz neu für mich waren die Regelungen, die den reibungslosen Ablauf unseres Kongresses sichern sollen und in der Geschäftsordnung (GO) festgehalten sind. Darüber hinaus war der Ablauf an sich etwas, mit dem ich vorher eben noch nie in Berührung gekommen war. Wie wird ein (Leit-)antrag präsentiert? Welche Regeln gelten bei einer Diskussion (Stichwort quotierte Redeliste)oder Wahl? Wie reiche ich einen Änderungsantrag ein? All diese Dingen vermittelten mir einen lehrreichen Eindruck, was es alles zu beachten gilt. Mein Respekt gilt hier der Tagungsleitung, die uns konsequent, flexibel und, wie ich behaupten würde, auf erfolgreiche Weise durch die Tagesordnung führte. Nichtsdestotrotz zeigte sich mir in diesem Bereich auch, dass die Bürokratie neben aller Ordnung und Fairness, die sie fördert auch durchaus ermüdend sein kann.

Erwähnt sei allerdings noch, dass auch ein scheinbar alltäglicher Vorgang, wie die Anerkennung eines neuen KV, zu großem Jubel führen kann (an dieser Stelle liebe Grüße an die wieder ins Leben gerufene KV Boppard). In diesem Bereich habe ich für mich mitgenommen, dass es wirklich wichtig ist, gewisse Abläufe, Rechte und Pflichten zu verinnerlichen, um einen runden Ablauf zu gewährleisten und sich gut in die Debatten einbringen zu können.

Relativ unerwartet war auch der hohe Grad an Vernetzung. Neben der GJ RLP hatten sich verteilt über die 3 Tage Mitglieder der Solids, der Jusos, der LSV sowie Vertreter der Grünen RLP, verschiedener Verbände der GJ aus anderen Bundesländern (NRW, Berlin, BaWÜ) und der Internationalen Vernetzung der Grünen Jugend eingefunden. Dass die Grünen sich gut untereinander kennen, wurde zwar immer wieder aus Erzählungen im Rahmen des KV deutlich, das dann vorgefundene Maß war aber doch recht beeindruckend.

Wer mal eine Zeit lang in der Partei ist, verschiedene Veranstaltungen besucht hat, Ämter bekleidet hat, der kennt eine Vielzahl an Menschen aus ganz Rheinland-Pfalz und dem Land, die unterschiedlichste Funktionen einnehmen und mit ihren verschiedenen Perspektiven zur Diversität des Inputs beitragen. Erwähnt sei hierbei, dass ich es immer wieder spannend finde zu beobachten, wie sich die Gespräche zwischen „Alt-Grünen“ und der Jugend gestalten. Mein Eindruck war, dass recht offen kommuniziert wurde und unsere Gäste sehr bereitwillig auf die Anregungen, das Lob und die Kritik unsererseits eingegangen sind. Dies gilt allerdings nicht nur für die Grünen, sondern auch für die Vertreter*innen der anderen Jugendverbände.

Besonders neugierig war ich natürlich auch darauf, welche Inhalte an diesem Wochenende besprochen werden würden. Welche Prinzipien, Ideale und Überzeugungen würden die einzelnen Mitglieder ganz allgemein zum Ausdruck bringen? Aber auch: Welche Argumente würden sie in Bezug auf die aktuellen politischen Themen äußern? Den Rahmen hierfür boten die beiden Leitanträge, die sich zum einen mit dem Ausgang der Landtagswahlen 2016 in RLP und der Reaktion der GJ darauf auseinandersetzten und zum anderen das Zukunftskonzept der GJ RLP für Europa präsentieren. An dieser Stelle möchte ich nochmal meinen Respekt aussprechen für die einzelnen Mitglieder unseres Landesverbandes. Für jemanden wie mich, der noch recht neu im Umfeld der GJ und um den Aufbau eines eigenen politischen Weltbildes bemüht ist, ist es beeindruckend zu sehen, wie junge Menschen, die nicht viel älter als man selbst sind, eine so große Identifikation mit einer Partei und ihren Prinzipien zeigen, diese auch in ihren zahlreichen Redebeiträgen zum Ausdruck bringen und darüber hinaus auch im Alltag mit beachtlichem Engagement vorleben. In diesem Zusammenhang war es für mich vor allem wichtig, im Rahmen meiner persönlichen politischen Orientierung möglichst viel Input zu erhalten, eigene Positionen zu vergleichen mit Menschen, die schon wesentlich tiefer verwurzelt sind in den Grundprinzipien einer progressiven, liberalen Partei. Trotzdem fühlte es sich für mich streckenweise auch komisch an, als jemand, der sich politisch noch nicht komplett verortet hat, zu merken, dass es einige Ansichten gibt, die bei den meisten anderen Mitgliedern auf einen breiten Konsens stoßen, zu denen man sich persönlich jedoch noch seine eigene Meinung bilden muss.

Als letztes möchte ich noch auf das gesamte Drumherum eingehen. Zur Lage unserer Unterkunft habe ich ja bereits ein paar Worte verloren. Darüber hinaus lässt sich sagen, dass die Unterbringung an sich vom Komfort der Betten, über sanitäre Anlagen bis hin zu den verschiedenen Räumlichkeiten für Tagungen, Essen etc. meiner Ansicht nach für alle genug zu bieten hatte. Ein Manko war sicherlich, dass im Tagungs- und Essensraum nicht viel Platz war, was sich jedoch abgesehen von einigen gymnastischen Herausforderungen vor keine weiteren Probleme stellte. Lobend sei erwähnt, dass sich der Boden des Dachgeschosses im Laufe der LMV als sehr dehnbar und bruchfest, wenngleich auch als unerwartet geräuschdurchlässig erwies. Was mir sehr gut gefiel war der Ausblick von unserer Unterkunft aus. Man hatte einen schönen Blick auf das uns umgebende Grün, der vom frühlingshaften Wetter abgerundet wurde. Des Weiteren sei noch einmal die tolle Arbeit des Kochteams erwähnt. Ich hatte den Eindruck, dass es für jeden Geschmack etwas und ausreichend viel gab. Wer sich schon immer gefragt hat, wie man denn überhaupt lecker vegan kochen könne, wird vielleicht auf einer zukünftigen LMV die Antwort darauf finden.

Wie bereits angedeutet war es ebenfalls eine tolle Erfahrung, viele neue Menschen kennenzulernen und mit den bekannten aus dem eigenen KV noch engere Bindungen zu knüpfen. Ich habe mich akzeptiert gefühlt, auch wenn es nicht immer leicht war, sich an Gesprächen zu beteiligen, da es eben galt, sich in ein gut funktionierendes System zu integrieren. Doch spätestens am (sehr, sehr) frühen Sonntagmorgen war doch mit einigen das Eis gebrochen und so hat sich rückblickend auch das ein oder andere tolle Gespräch entwickelt. Ganz unabhängig davon, wie gut man sich mit jemandem verstanden hat, gab es innerhalb und außerhalb des Tagungsraums einen ausgesprochen respektvollen Umgang miteinander.

So möchte ich mich abschließend bei allen bedanken, die ich an diesem Wochenende treffen und kennenlernen durfte. Jeder von euch, ob bei der Organisation, bei der Versorgung oder einfach nur im Umgang miteinander, hat dafür gesorgt, dass es ein gelungenes Wochenende war, sowohl auf menschlicher, als auch auf politischer Ebene.

Ich kann jedem, der sich für grüne Politik interessiert und einen Einblick in politische Arbeit erhalten möchte wärmstens empfehlen, eine LMV zu besuchen. Hier nimmt man garantiert etwas mit. Man setzt sich mit neuen Inhalten auseinander, lernt Formalien und Regeln kennen, die für eine respektvollen und geordneten Debatte unerlässlich sind. Und man wird am Ende sicher um die ein oder andere wertvolle Bekanntschaft reicher sein.

Ich freue mich darauf, euch bei kommenden Anlässen wieder zu treffen!