Im Umfeld der Blockupy-Proteste gab es rege Debatten, ob, warum und wie sich Grüne an den kapitalismuskritischen Protestaktionen gegen die europäische Sparpolitik beteiligen sollten. Das kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Denn selbst wenn wir die vielen, wichtigen, sozialen Anliegen grüner Politik einfach mal ignorieren und grüne Politik als reine Ökopolitik betrachten, brauchen wir, nur zum Schutz der Umwelt, eine dringende Umverteilung der Mittel.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat gerade die Zahlen vorgelegt. Ein Viertel aller Geringverdiener, das sind knapp eine Millionen Menschen, arbeiten mehr als 50 Stunden die Woche. Es scheint Leute zu geben, die glauben, man könne so einen abgeschafften und unterbezahlten Menschen nach einem 10-Stündigen Arbeitstag in grüner Oberlehrer-Manier noch für die Vorzüge von Mülltrennung und Bio-Lebensmitteln begeistern. Das mag in einzelnen Fällen möglich sein, in der Fläche ist das jedoch naiv!

All unser Schimpfen auf Raubbau an der Natur, unethische Tierbehandlung, Discounter und Verschmutzung ist sinnlos, so lange wir große Bevölkerungsanteile dermaßen ausbeuten, dass diese sich nur noch Dinge leisten können, welche so billig wie möglich hergestellt worden sind.

Aber auch die restlichen grünen Ziele sind bei einer solchen Ausgangslage schwer zu erreichen. So ein Mensch hat doch gar keine Zeit für lebenslanges Lernen. Wann soll jemand, der über 50 Wochenstunden arbeitet, sich denn noch informieren, um kompetent an direkten, demokratischen Prozessen teil zu nehmen, die wir doch alle wünschen? Und wer passt die ganze Zeit auf die Kinder auf, die dieser Mensch vielleicht haben möchte und denen wir das bestmögliche Leben ermöglichen möchten?

Ohne eine eindeutige Abkehr vom wirtschaftlichen Status Quo werden wir niemals einen flächendeckenden und vollständigen Umweltschutz etablieren können. Ohne eine Klärung der sozialen Frage, wird die ökologische nicht zu beantworten sein.