Klimawandel in die Köpfe!

Seit der Industrialisierung hat die Menschheit die Verantwortung in ihrem eigenen Interesse das Ökosystem zu schützen und nicht zu überlasten. Dennoch stoßen wir ungeheure Mengen an Treibhausgasen und anderen „Klimakillern“ aus. Damit ist der Mensch der Hauptschuldige am dramatisch schnellen Temperaturanstieg von 0,6 Grad in den vergangenen 100 Jahren. Wenn die Temperatur global im Durchschnitt um weitere 1,4 Grad steigen sollte, werden unsere Ökosysteme kollabieren und es wird ungemütlich auf unserem Planeten.

Entscheidend verlangsamen können wir diesen Prozess nur durch weltweite Vermeidung von Klimakillern. So muss der CO2-Außstoß bis 2050 um 80% reduziert werden.

Das Problem ist den Industrieländern spätestens 1994 klar geworden, als die Klimarahmenkonventionen in Kraft traten, deren Ziel die Stabilisierung des Treibhausgasniveaus war.

Das Kyoto-Protokoll stellt nun endlich einen Schritt in die richtige Richtung dar. Die Unterzeichner verpflichten sich, ihre Emissionen von Treibhausgasen um 5,2 % zurückzufahren. Da dies aber nur einen Bruchteil der nötigen Reduzierung darstellt, muss das Protokoll schnell in die Tat umgesetzt werden, um fort zu fahren. Doch leider haben die USA das Protokoll bis heute nicht einmal ratifiziert.

Seit dem gibt es keine ernsthaften Bemühungen mehr, weltweit gegen Klimasünder vorzugehen. Ein Interessanter Ansatz, der Kyoto wiederaufleben lassen könnte, ist die Idee, dass die Länder der ersten Welt den Ländern der dritten Welt bei der Eindämmung ihrer Emissionen helfen und so Emissionsgutschriften erhalten.

In Europa wurde inzwischen eine Richtlinie für Emissonshandel verabschiedet.

Jeder Staat hat sich verpflichtet, eine gewisse Menge an CO2 einzusparen. Dazu setzt jedem Unternehmen eine Obergrenze für seinen CO2-Ausstoß. Sollte eine Firma jedoch noch weniger Treibhausgase produzieren als vorgeschrieben, kann sie die Differenz an andere Unternehmen verkaufen, die mehr ausstoßen, als sie eigentlich dürften. Damit werden wir quasi neben dem Euro eine zweite Währung bekommen: Eine Tonne CO2. Bald lässt sich also Klimaschutz direkt in Profit ummünzen. Das spricht einerseits die Wirtschaft an und ist deswegen eine begrüßenswerte Idee. Andererseits ist sie mit Vorsicht zu genießen: Die Emissionsobergrenzen müssen immer weiter gesenkt werden. Die Wirtschaft muss wissen, dass sie es mit einer deflationären Währung zu tun hat und sich darauf einstellen.

Ein kleines Manko hat allerdings europäischer Klimaschutz noch: Das mit Abstand umweltfeindlichste Transportmittel ist das Flugzeug. Ihre Kondensstreifen bilden Zirruswolken, die die Erde zusätzlich aufheizen, da sie die Erdwärme reflektieren, so dass sie nicht ins All entweichen kann. Ferner erzeugt der Flugverkehr Gesundheitsschäden durch Kerosinausstoß und Lärmbelastung. Deswegen fordern wir dementsprechende Ökosteuern auf Kerosin und eine Aufhebung der Mehrwertsteuerbefreiung internationaler Flugtickets.

Deutschland ist das Zugpferd in Sachen Klimaschutz der Europäischen Union. Die daraus folgenden Möglichkeiten zu nutzen heißt nicht nur etwas für die Umwelt zu tun und damit diesen Planeten für nachfolgende Generationen bewohnbar zu halten, es heißt auch in Technologie der Zukunft zu investieren, sinnvolle Forschung zu betreiben und ökonomische Vorteile zu erwirtschaften.

Die Grüne Jugend fordert die Bundesregierung auf, die Umstellung Deutschlands auf regenerative und umweltfreundlichere Energiequellen zu unterstützen. Eine Weiterführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist unabdingbar. Die Kohlesubventionen müssen sofort gestoppt werden. Es ist viel sinnvoller, diese Gelder in die Nutzung der erneuerbaren Energien zu investieren. Kernkraftwerke stellen ein viel zu hohes Risiko dar und müssen umgehend abgeschaltet werden.

Langfristig gesehen können wir nur auf regenerative Energiequellen zählen. Damit eine Umstellung möglich wird, appelliert die Grüne Jugend an die Bürgerinnen und Bürger energiebewusster zu leben. Wenn zum Beispiel ein Altbau saniert werden muss, dann rechnet es sich, ihn gut isolieren zu lassen, um Heizkosten zu sparen. Auch eine Solarenergieanlage auf dem Dach kann sich rechnen.

Wir fordern die Regierung auf, solche Umstellungen durch Informationen und Steuererleichterungen zu fördern.

Des Weiteren muss die Regierung ihre Verkehrspolitik überdenken. Jeder Ausbau einer Autobahn hat zur Folge, dass sich in diesem Streckenabschnitt die Fahrzeit verkürzt. Das bewirkt, dass die FahrzeugführerInnen weitere Strecken öfter zurücklegen können. Die „Lust am Fahren“ und der Spritverbrauch steigen und damit auch die Umweltbelastung. Um dem zu begegnen müssen Geschwindigkeitsbegrenzungen gesetzt werden. Außerdem müssen die Autohersteller dazu bewegt werden, die bestehende Technologie zu nutzen und ihre Autos durch bessere Katalysatoren umwelt- und menschenfreundlicher zu machen. Umweltfreundlichere Transportsysteme wie Busse, Züge oder das Fahrrad müssen gefördert werden. Dazu könnten jene Gelder verwendet werden, die in pure Prestigeprojekte verwendet werden. Straßenabschnitte, die ein Verkehrsaufkommen von weniger als 10 Autos pro Stunde haben, müssen nicht ausgebaut werden.

Die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz hält Biobauernhöfe auch in Bezug auf Klimaschutz für sinnvoll. Die konventionelle Landwirtschaft stößt große Mengen an CO2 aus. Außerdem schädigt sie massiv die Wälder, die so weniger Luft recyceln können.

Auch ist es wichtig, Forschungsgelder gezielt zur Förderung neuer umweltfreundlicher Energiequellen und –träger einzusetzen, wie der Effizienzsteigerung von Photovoltaik-Anlagen oder der Erforschung von Wasserstoff als Autotreibstoff.

Es ist erwiesen, dass der Mensch den Klimawandel verursacht und dieser zu den Wetterkapriolen führt, die wir Jahr für Jahr beobachten. Das muss jeder Einzelne einsehen und seinen Lebensstil dementsprechend anpassen. Jeder kann seinen Beitrag leisten: durch Reduzierung des Energieverbrauchs, durch das Benutzen von Massentransportmitteln, durch eine Investition in Photovoltaik, durch den Kauf von Bioprodukten und durch vieles mehr. Die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz ruft die Bundesregierung auf, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen und ehrgeizige Klimaschutzprojekte in Deutschland und der EU zu verwirklichen.

Beschlossen auf der 28. LMV der GJ-RLP am 27.09.2003 in Mainz