Pressemitteilung 26/2006 der GRÜNEN JUGEND RLP vom 23.11.2006

GRÜNE JUGEND RLP warnt vor Hetzjagd auf computerspielende Jugendliche

Die GRÜNE JUGEND RLP begrüßt die aufflammende Debatte über die Medienkompetenz Jugendlicher als Folge des Amoklaufs in Emsdetten,  vermisst aber die nötige Sachlichkeit in der Diskussion.

„Ein Verbot von sogennanten Killerspielen ist kontraproduktiv und absurd.
Der Umgang mit Gewalt gehört zur menschlichen Existenz. Dies zeigen nicht nur Computerspiele, sondern auch Kriminalgeschichten, Horrorfilme oder das Ausschlachten aller Details des Amoklaufs in diversen Medien“ , so Alexander Grünen, Sprecher der GRÜNEN JUGEND RLP. Gewaltdarstellungen in Computerspielen sind nicht die Ursache für solche Gewalttaten. Wenn Jugendliche Spiel und Realität nicht voneinander trennen können, so ist dies als Folge tiefgreifender psychischer Probleme und sozialer Isolation zu begreifen. Diese Menschen zu kriminalisieren würde nur bedeuten, sie noch stärker auszugrenzen.

Millionen von Menschen, gerade Jugendliche, konsumieren Spiele wie Counter-Strike und greifen im realen Leben nicht nach der Waffe, um Probleme zu lösen. Für viele SpielerInnen ist es ein Sport vergleichbar mit Fußball.
Zwei Teams treten in einem Wettstreit gegeneinander an und das bessere Team gewinnt.  
„Die Frage ist doch, wie man es schafft, Kindern und Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Computerspielen und Filmen beizubringen und das gesehene bzw. erlebte zu reflektieren“, so Grünen weiter. „Man schafft es jedenfalls nicht über ein Verbot, sondern über eine kritische Auseinandersetzung in der Gesellschaft und besonders in der Schule mit diesem Thema“, ergänzt Laura-Luise Hammel, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND RLP.
„Wer die Freizeitbeschäftigung von tausenden von Jugendlichen grundlos verbieten will zeigt, dass ihn diese Jugendlichen nicht interessieren. So leistet man dem sozialen Ausstieg von Jugendlichen sicherlich mehr Vorschub, als irgendein Ballerspiel dazu imstande wäre!“

Die GRÜNE JUGEND RLP fordert Politik und Medien auf, endlich mit der populistischen Debatte um Computerspiele aufzuhören und andere Lösungen zu finden als ein generelles Verbot. Den bayerischen CSU-Innenminister Beckstein, der nach einem Verbot den Besitz von Gewaltspielen genauso bestrafen will wie den von Kinderpornographie, warnt Grünen vor einer Hetzjagd gegen computerspielende Jugendliche: „Mir wäre es lieber, sie würden ihre Agressionen beim Computerspielen ausleben, als bei der Jagd auf Graffiti-SprayerInnen, AsylbewerberInnen oder in der „Terrorismusabwehr“, Herr Beckstein! ComputerspielerInnen in einem Atemzug mit BezieherInnen von Kinderpornographie zu nennen ist eine ungeheure Beleidigung und disqualifiziert sie für ihr Amt!“