Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr.
Ganz Rheinland-Pfalz soll ein neues Landeshochschulgesetz bekommen und Pia hat dazu gebloggt… gebloggt? Nein! Eher artikelt und unbeugsam analysiert. Auf diesen geleisteten Widerstand wollen wir euch natürlich hinweisen, da der Link ganz unten auf unserer Seite zu ihrem Blog wohl nicht von allen ganz regelmäßig geklickt wird.

 

Pia Schellhammer

 

 

Auszüge aus pia-schellhammer.de- Keine Entdemokratisierung der Hochschulen!

Die Anhörung zur Neuauflage des Landeshochschulgesetzes im rheinland-pfälzischen Landtag fand in dieser Woche statt. Dazu waren VertreterInnen der HochschullehrerInnen, der Studierendenschaft, der Forschung und der LandeshochschulpräsidentInnen anwesend. Alle durften ihre Kritikpunkte den Mitgliedern des Ausschusses für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vortragen. Die SPD-Fraktion war trotz umfangreicher Kritik der ExpertInnen aber derart überzeugt von ihrer Neuauflage, dass Nachfragen wohl nicht nötig erschienen. „Wieso sollen wir nicht den Diplom Ingenieur als deutsches Markenzeichen für Qualität behalten?“ – solche Fragen der sogenannten Opposition gingen nicht nur an der Gesetzesvorlage vorbei, sondern sind auch ein Zeichen dafür, dass es ihnen nur um Ettikettierung und nicht um eine Verbesserung der Situation an den Hochschulen geht. Was würde die Wiedereinführung des Dipl. Ing. bringen, wenn die Studiengänge nach der Bologna-Reform weiterhin unstudierbar blieben, weiterhin zu wenig DozentInnen angestellt würden?

Trennung von Forschung und Lehre

Die Forschungskollegs sehen vor, dass sich WissenschaftlerInnen hochschulübergreifend ihren Forschungsprojekten zuwenden können, ohne gleichzeitig zu Lehren. Dies ist der erste Schritt hin zur Trennung von Forschung und Lehre. Es ist wichtig, das die Forschung nicht abseits der Studierenden stattfindet, um so die Aktualität der Wissensvermittlung zu garantieren.

GeschlechterUNgerechtigkeit

Das neue Landeshochschulgesetz sieht eine 50 %-Quote in den Hochschulgremien vor. Diese Quote wird von den wenigen DozentInnen kritisiert: Es gibt zu wenige von ihnen und dann sollen die wenigen sich in allen Gremien wiederfinden. Wichtiger Ansatzpunkt wäre eine 50 %-Quote bei der Besetzung aller Positionen. Weiterhin besetzen Frauen nur 10 % der Lehrstühle. Hier muss sich erst etwas ändern, damit dann auch 50 % Frauen in den Gremien vertreten sein können.

Kein Recht auf Masterstudiengang

Das Angebot der Master-Studienplätze ist bei weitem nicht ausreichend. Im Landeshochschulgesetz muss unbedingt das Recht auf einen Masterstudienplatz verankert werden, damit die jungen Menschen mit Bachelor-Abschluss eine weiterführende Perspektive an ihren Hochschulen haben.

Entdemokratisierung

Den HochschulpräsidentInnen kommt nach der Neuauflage des Gesetzes eine umfangreiche Machtposition zu. Das Mehr an Autonomie der Hochschulen ist also nur ein Mehr an Macht für die PräsidentInnen. Sie dürfen beispielsweise Berufungen unabhängig vom Land durchführen und sind dem Senat lediglich berichtpflichtig. Darin sehen VertreterInnen der Studierendenschaft und der HochschullehrerInnen die Entmachtung der legitimierten Gremien. Zitat aus der Anhörung: „Da bleibt von Demokratie nicht mehr viel übrig.“

Versteckte Studiengebühren

Großer Kritikpunkt, an dem keine der im Landtag vertretenen Parteien etwas ändern will, sind die versteckten Studiengebühren. Durch die Studienkonten werden Langzeitstudierenden ab einem bestimmten Zeitpunkt zur Kasse gebeten. Das ist in Anbetracht der Tatsache, dass viele Studis arbeiten müssen, um sich überhaupt ein Studium zu erlauben und daher länger brauchen, fatal. Ein Rechtsanspruch auf ein Teilzeitstudium wird weiterhin nicht vorgesehen. Außerdem decken die eingehenden Studiengebühren nicht annähernd die dafür entstehenden Verwaltungskosten ab. Aber vor allem widerspricht diese Regelung dem Grundsatz, dass Bildung keine Ware ist: Studienkonten sind Zeichen für die Ökonomisierung unserer Hochschulen. Das Outsourcen von Bibliotheken und Medienzentren in der Neuauflage geht leider auch in die selbe Richtung. Wir wollen einen freien, kostenlosen Bildungszugang für alle!

Positiv ist zu bewerten, dass die Landeskinderregelung aus dem Landeshochschulgesetz gestrichen wurde. Außerdem wird der Hochschulzugang für Menschen ohne Abi erleichtert. Man kann jedoch Resümieren, dass alle gut gemeinten Ideen an der schlechten Ausstattung der rheinland-pfälzischen Hochschulen scheitern werden.

Was die GRÜNEN in der Hochschulpolitik ändern wollen, findet ihr hier im Antrag „Wissen wirkt: Ein hochschulpolitischer Aufbruch für Rheinland-Pfalz“ von unserem Landesparteitag im November 2009.