Pia Schellhammer

Pia Schellhammer, Kandidatin der GJ für die Landtagswahl 2011

Der Tschernobyl-Gedenktag steht vor der Tür; in unserer Artikelserie zum Thema beschäftigen wir uns mit den Gefahren von Atomkraft und den Alternativen dazu. Diesmal: Fünf Fragen an Pia, unsere junggrüne Kandidatin für die Landtagsliste, die sich mit uns motiviert gegen Atomkraft einsetzt.

Hanna Zoe: Hey Pia! Am 24. April wird Biblis umzingelt und bundesweit gegen Atomkraft demonstriert. Warum bist du dabei?

Pia: Ich bin dabei, um ein Zeichen gegen die geplanten Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke zu setzen. Die Bundesregierung treibt den Ausstieg aus dem Atomausstieg voran und will veraltete Schrottmeiler länger laufen lassen. Unter Rot-Grün wurde der Ausstieg aus der Atomkraft mit den Energiekonzernen beschlossen, was nun von Schwarz-Gelb gekippt werden soll. Hintergrund ist der, dass die vier großen Energiekonzerne enorm von einer Laufzeitverlängerung profitieren würden. Eine Änderung des Atomgesetzes würde den Konzerne zwischen 4 und 6 Milliarden Euro mehr pro Jahr in ihren Kassen bringen. Hier führen die Konzerne gerne an, dass dieses Geld auf die VerbraucherInnen als Strompreisminderung umgelegt werden oder in erneuerbare Energien investiert werden könnte.

Dabei wird nicht bedacht, dass eine derart minimale Preissenkung nicht annähernd eine Rechtfertigung für das dafür eingegangen Risiko ist, denn Laufzeitverlängerung ist Gefahrzeitverlängerung! Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien kann nicht in diesem Maß vorangetrieben werden, da unsere Stromnetze immer noch auf Großkraftwerke ausgelegt sind und wir solange diese Hauptenergielieferanten sind, keinen Umbau der Netze vornehmen können.Ein flexibles Stromnetz, welches die zu unterschiedlichen Zeiten verfügbaren Strommengen zu den VerbraucherInnen leiten kann, ist aber die Grundvoraussetzung für eine konsequente Nutzung der erneuerbaren Energien. Allzu gern werben derzeit die Atomkonzerne mit der Klimafreundlichkeit ihrer Meiler. So ein Hohn! Schon allein die Urangewinnung ist im höchsten Maß klima- und umweltschädlich. Das wird gern vertuscht, da der Abbau nicht in Deutschland stattfindet. Von einer sauberen Energiequelle zu sprechen, ist zynisch, wenn man betrachtet, welchen Schaden diese Kraftwerke anrichten können. Daran wollen wir am Tschernobyl-Gedenktag am 24. April in Biblis mit einer riesigen Demo erinnern.

Hanna Zoe: Seit wann bist du gegen Atomkraft und wie bist du darauf gekommen?

Pia: Schon früh waren Atomkraftwerke für mich ein Dorn im Auge – sogar im wahrsten Sinn des Wortes, da ich in Oppenheim aufgewachsen bin und man von diesem idyllischen Weinort aus eine weniger idyllische Aussicht auf das Atomkraftwerk Biblis auf der gegenüberliegenden Rheinseite hat. Daher bin ich bereits mit 15 zu Anti-Atomaktionen aufgeschlagen, die mich unter anderem motiviert haben bei den GRÜNEN und der GRÜNEN JUGEND aktiv zu werden. Biblis ist 1975 ans Netz gegangen und weist seitdem eine Reihe von Zwischenfällen auf. Eigentlich sollte das schrottige AKW 2009 laut Atomausstieg schon vom Netz gegangen sein. RWE hat aber dank schwarz-gelbem Rückenwind den Schrottreaktor Anfang diesen Jahres wieder ans Netz genommen. Während meiner Zeit als Sprecherin des GRÜNEN Ortsverbandes Nierstein-Oppenheim sind wir jährlich anlässlich Tschernobyl-Gedenktag nach Biblis geradelt, um auf die Nähe zum AKW aufmerksam zu machen. Meines Erachtens klammern viele Menschen das offensichtliche Risiko aus. Dabei hat erst im letzten Jahr eine Studie gezeigt, dass das Leukämie-Risiko in der Nähe von Atomkraftwerken bei Kindern viel höher ist. Gerade hier müssen wir als junge Menschen für eine sofortige Abschaltung der alten Schrottmeiler kämpfen. Näheres dazu könnt ihr in der Broschüre ‚Atomkraftwerke machen Kinder krank‘ lesen.

Hanna Zoe: Du bist die Kandidatin der Grünen Jugend; wir haben dir unser Votum für die Landtagsliste gegeben und hoffen, dass du frischen Wind in den rheinland-pfälzischen Landtag bringen wirst. Wie kann ein Bundesland sich eigentlich gegen Atomkraft einsetzen?

Pia: Eine Änderung des Atomgesetztes ist im Bundesrat zustimmungspflichtig, daher hat auch Rheinland-Pfalz eine Stimme, die für oder gegen sinnvolle Energiepolitik eingesetzt werden kann. Daher ist es entscheidend, wer in unserem Bundesland an der Regierung ist – auch was die Laufzeiten von Atomkraftwerken anbelangt. Hierzu wäre es wichtig, dass durch die Wahl in Nordrhein-Westphalen die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat gekippt wird. Das könnte durch ein GRÜNES Ergebnis bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im März 2011 verstärkt werden. Zudem kann unser Bundesland den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben und so indirekt die Kohle- und Atomkraftwerke bekämpfen. Wenn beispielsweise Solarparks leichter genehmigt werden oder das Potential an Biomasse aus der Landwirtschaft mehr genutzt wird, kann auch in Rheinland-Pfalz die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bald erreicht werden. Es ist für mich unverständlich, wie Menschen aus Profitgier und Konservatismus immer noch an veralteten Stromquellen verhaftet bleiben können, wenn die Alternativen bereits jetzt derart gute Bilanzen für das Klima und den Arbeitsmarkt aufweisen.

Hanna Zoe: Ziemlich viele Leute sagen Dinge wie ‚ohne Atomkraft hätten wir im Winter kein Licht‘ – was antwortest du ihnen?

Pia: Das stimmt einfach nicht. Deutschland produziert schon jetzt mehr Strom als es eigentlich benötigt. Wir exportieren jährlich Strom im Mengenvolumen der Produktion von zwei Atomkraftwerken ins Ausland, an dem die Stromkonzerne verdienen. Zudem müssen wir langfristig ohnehin unseren Energiekonsum minimieren, was bedeuten würde, dass wir noch mehr überschüssige Energie zu verscherbeln hätten. Hier wird den Leuten Angst gemacht, dass der Fernseher keinen Strom mehr hat, um von einer sinnvollen zukunftsgewandten Stromversorgung abzulenken. Wer noch Hintergrundinformationen zur Stromlücken-Lüge lesen will, findet die hier in einer Publikation des BUND. Ein wichtiger Aspekt, der häufig vernachlässigt wird, ist die Preisentwicklung bei den fossilen Brennstoffen. Wenn man bedenkt, dass Kohle, Öl und Gas immer knapper werden und somit die Preise immer höher steigen, so kann sich nur noch eine kleine reiche Elite Energie leisten. Wir wollen aber, dass die Energieversorgung gesichert ist – unabhängig vom Geldbeutel. Solarzellen, Biogaskraftwerke oder Windräder verursachen zwar bei der Anschaffung und der Wartung Kosten, allerdings können nur durch die erneuerbaren Energien langfristig sozial gerechte Preise garantiert werden. Und das noch dazu klimafreundlich. Ist doch ’ne feine Sache.

Hanna Zoe: Was möchtest du den junggrünen Mitgliedern und LeserInnen noch mitgeben?

Pia: Keine Technik ist sicher – sicher ist nur das Risiko. Je älter die Atommeiler werden, desto unsicherer werden sie. Die Pläne der Bundesregierung sind also unverantwortlich und gerade wir als junge Generation müssen für unsere strahlenfreie Zukunft kämpfen. Es ist verdammt wichtig, dass jetzt jede und jeder auf die Straßen geht, um gegen den Atomwahnsinn zu demonstrieren. Eine Energiewende ist möglich, man muss sie nur wollen!