Pressemitteilung 22/2009

GRÜNE JUGEND RLP zum Schweizer Minarettverbot und der Spiegel-Umfrage

Die Abstimmung der Schweizer BürgerInnen über das Minarettverbot hat hoffentlich auch in Deutschland einige Menschen wachgerüttelt. Die Auseinandersetzung über das Minarettverbot ist eine StellvertreterInnendebatte, in der es um ein Zurückdrängen und Unterdrücken der muslimischen Bevölkerung geht.

„Gerade in Gegenden mit fehlendem interkulturellem Miteinander herrscht eine große Unkenntnis und Feindschaft dem Islam gegenüber. Die repräsentative Umfrage des Spiegels zeigte in Deutschland eine Zustimmung von 44% zu einem Minarettverbot. Von einer verbreiteten persönlichen Empfindung der Bedrohung und Angst vor einer Islamisierung, die CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach nannte, kann als Begründung nicht die Rede sein, da wir weder Angst noch kommende sogenannte Islamisierung feststellen. Das gezeigte Verständnis für das Wahlverhalten ist für uns nicht nachvollziehbar. Minarette sind Ausdruck des Glaubens und dessen Auslebung, deren Verbot gegen die Religionsfreiheit und – genauso wie ein Kopftuchverbot – auch gegen die freie Selbstverwirklichung verstößt“, sagte Misbah Khan, Landesvorstandssprecherin der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz.

Die Diskriminierung einer Minderheit, vor allem anhand von Äußerlichkeiten, ist eine Form von Rassismus. Zu oft werden Ethnie und Religion durcheinander gebracht. Auch kann nicht von Fremden gesprochen werden, da viele muslimische Deutsche schon so lange wie andere ehemalige MigrantInnen hier wohnen. Die empfundene Fremde wird unter anderem konstruiert durch bedrohliche dunkle Cover mit Islamsymbolen von renommierten Magazinen, die undifferenzierte inhaltsschwache Berichterstattung über MuslimInnen und den Islam sowie gleichmachende, verallgemeinernde Politik.

Khan fordert: „Wir müssen deutsche MuslimInenn und den Islam als verbreitete Religion in Deutschland anerkennen. Bürgerliche Emanzipation und höhere Berufe für MuslimInnen müssen akzeptiert werden, auch wenn sie ihre Religion öffentlich zeigen. Integration heißt aufeinander Zugehen und ist mehr als nur Deutschkurse anzubieten. Integration heißt öffentliche Anerkennung und Eingliederung der Kultur und nicht Assimilation.
Die Beschränkung auf sogenannte „Hinterhofmoscheen“ schafft Distanz und Misstrauen. Wir fordern mehr Bildung und Aufklärung über den Islam sowie das Recht, seine Religion mit dazugehörigen Gotteshäusern frei auszuüben. Medien und Politik sollen aufhören, gezielt vereinheitlichte stilisierende Bilder über und Sichtweisen auf den Islam zu festigen und einzusetzen.“