Unser Redakteur Sebastian hat mit dem Vorstandssprecher*innenteam der wiedergegründeten GRÜNEN JUGEND Südpfalz über ihre neu aufgenommene Arbeit gesprochen. Julius (19)und Hannah (15) standen für alle Antworten bereit, und am Ende kam auch noch Jan-Lucas (19) – ebenfalls aus dem gewählten Vorstand – hinzu.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Erst einmal: nochmal alles Gute zu eurer Gründung! Schön, dass ihr da seid und endlich auch wieder den tiefen Süden von Rheinland-Pfalz abdeckt! Und danke, dass ihr persönlich die Verantwortung übernommen habt, für den neuen Kreisverband zu sprechen.

Gibt es etwas, dass euch ganz persönlich politisiert hat?

 

Julius

Danke! Bei mit war es der Film „Die Wolke“. Ich habe ihn gesehen, als ich in der 5. klasse war und habe schlicht ganz real Angst vor der hochgefährlichen Nutzung von Atomkraft in AKWs bekommen. Seitdem wollte ich mich gegen solche Dinge engagieren.

 

Hannah

Ich war vor etwa einem Jahr auf einem Politik-Poetry Slam. Ein Text über Rassismus hat mich sehr bewegt und dazu gebracht, mich mit dem Thema zu beschäftigen – aber darüber hinaus mehr über Politik nachzudenken.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Ok – und dann haben euch die Themen nicht mehr losgelassen und ihr seid irgendwie ins GJ-Umfeld geraten…Warum seid ihr dann Mitglied bei der GRÜNEN JUGEND geworden?

 

Hannah

Nachdem ich Mitglied bei den GRÜNEN geworden bin, regte Lukas Hartmann unter uns jungen Mitgliedern an, das wir wieder eine GJ Südpfalz gründen sollten. Weil wir viele junge Mitglieder waren, wollten wir uns neue Aufgaben suchen und durch eine GJ noch mehr Jugendliche mit Politik in Berührung bringen. Das war eine coole Idee.

 

Julius

Ich wollte etwas neues wagen. Die Arbeit im GRÜNEN Kreisvorstand hat mir gut gefallen, aber ich wollte eine neue Herausforderung und dabei helfen junge Leute für unsere Themen zu begeistern.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Alles klar! Was habt ihr als Grüne Jugend zunächst vor? Wo wollt ihr euch einbringen?

 

Julius Baur

Erst einmal ist es uns wichtig, die Leute bei der Stange zu halten und unsere Arbeit zu verstetigen. Dann wollen wir uns zum Beispiel stark gegen Rassismus engagieren!

 

Hannah

Außerdem planen wir bereits eine Aktion gegen Wildtiere im Zirkus.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Wie viele seid ihr nun in der GJ SÜW etwa? Wie oft trefft ihr euch und wie organisiert ihr euch zwischen Treffen?

 

Hannah

Wir sind momentan ca. 25 Mitglieder. Der Vorstand trifft sich noch wöchentlich und unsere GJ-Treffen finden etwa alle 2 Wochen statt. Außerdem kommunizieren wir über einen gemeinsamen Mailverteiler, über den wir auch die Termine für unsere Treffen absprechen, sowie eine Whatsapp- Gruppe.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Was sind Themen, die besonders (wirklich) junge Menschen in Landau ansprechen ?

 

Julius

Ich denke dass viele für Antifaschismus engagiert sind, und innerhalb unserer Gruppe haben sich vor allem noch der Cirkus Krone und die Legalisierung von Cannabis als wichtige Handlungsfelder herausgestellt.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Cirkus Krone?

 

Hannah

Wir möchten uns gegen Wildtiere im Zirkus -zB. eben im Zirkus Krone- engagieren.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Ok – und das ist bei euch ein wichtiges Problem. Zum Antifaschismus: Wie sieht es bei euch aus? Gibt es in eurer Region ein Problem mit rechtsradikalen Kräften oder ähnlichem? Seid ihr schon in irgendeiner Weise Angriffen ausgesetzt worden – z.B. auch online? Spürt ihr ein rassistisches Klima – unter anderem angeheizt über die vermeintliche Flüchtlings“krise“?

 

Julius

Ja auf jeden Fall gibt es hier Probleme: im Wahlkampf wurden wir von einem Typen angegangen und mussten die Polizei rufen. Er meinte in seinem wahnhaften Weltbild, die Grünen wären Drecksnazis und Hitler hätte so viel für den Frieden getan.

Naja. Letzten Winter sollte auch Frauke Petry von der AfD kommen, aber aufgrund des stattfindenden Protests in Landau wollte ihr und ihrer Partei dann niemand mehr eine Örtlichkeit anbieten.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Gut. Zurück zu eurer Gruppe: Gibt es auch thematischen Dissenz?

 

Hannah

Naja. Uneinig sind wir uns eigentlich nicht. Aber natürlich interessieren sich alle Leute verschieden stark für unterschiedliche Themen.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Möchtet ihr vor allem lokal-kommunal arbeiten oder euer Engagement auch auf übergeordneten Ebenen (der Landesebene etc.) einbringen?

 

Hannah

Ich denke, wir starten mit Kommunaler Arbeit und Aktionen, werden uns dann später auch auf Landesebene einbringen.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Warum braucht es die GRÜNE Jugend Südpfalz, wo es doch auch stetig wachsende und sehr jung-besetzte GRÜNE in Landau gibt? Was ist – oder soll – euer Alleinstellungsmerkmal werden?

 

Hannah

Wir wollen uns separat engagieren, um neue oder andere Themenfelder zu erarbeiten und uns zu engagieren. Wir sind fast alle Mitglieder der GRÜNEN, jedoch gibt es auch Jugendliche die nicht gleich einer Partei beitreten wollen und sich dann bei der GJ engagieren können. Zusätzlich bieten wir mit der GJ ein junges Umfeld, indem ‚unter seines gleichen‘ Aktionen geplant werden können. So werden wir ein Sprachrohr gerade für die Ideen von junge Mitgliedern. Außerdem können wir als Untergruppe (aber autonom handelnde Gruppe) gewagtere Aktionen starten.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Im letzten Jahr fand bei euch die Landesgartenschau RLP statt. Wie bewertet ihr (mittlerweile?) dieses Projekt und welche Aspekte gibt es aus junggrüner Perspektive bei solchen Themen zu beachten?

 

Hannah

Da kann Jan gerne etwas zu sagen.

 

Jan-Lucas

Es gibt viele Aspekte, die bei diesem Thema zu beachten sind. Auf der einen Seite begrüßen wir natürlich Projekte die Leben in unsere Stadt bringen und das Bewusstsein der Menschen für die Natur und die Region fördern. Vor allem die Kleingärten auf dem Gelände und das einbinden von Jungen Leuten in kleinere Projekte, so wie die große Sportanlage, die im Rahmen der Gartenshow entstanden ist, finden wir, sind ein guter Beitrag für das Miteinander. Allerdings stand das ganze Projekt unter dem Schatten einer schlechten Organisation und vieler fragwürdiger Entscheidung wie dem Bau von teuren Wohnungen, während wir in Landau einen immensen Mangel an bezahlbarem Wohnraum haben. Zudem wurden Teile der ehemaligen Festung für den Bau dieser Wohnungen zerstört, was einen wichtigen Teil der Geschichte unserer Stadt vernichtet. Viel schlimmer finden wir jedoch, dass die Anlage so kurz nach der Gartenshow wieder zu einer riesigen Baustelle geworden ist und die schönen Grünflächen dem Beton weichen müssen.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Die Grünflächen weichen wieder Beton? Könnt ihr das noch erklären? Wie sind diese Entscheidungen denn eigentlich getroffen worden? Waren die jungen Landauerinnen und Landauer nennenswert beteiligt? In einem ähnlichen Zusammenhang habe ich auf eurer (Wieder-)Gründungsversammlung gehört, dass ihr euch an einer Guerilla-Gardening-Aktion beteiligen wolltet. Ist solches Urban-Gardening ein Thema für euch und wie steht es in Beziehung zu so „klassischen“ (Groß-)projekten wie der Landesgartenschau?

 

Jan-Lucas

Nun, einige Grünflächen bleiben zum Glück erhalten, worüber wir uns sehr freuen,- aber große Teile der Gartenshow werden zu teurem Wohnraum umgebaut. So sind bis jetzt auf dem Gelände fast ausschließlich Mehr- bzw. Einfamilienhäuser mit Preisen von über 2500€ pro qm entstanden, anstatt sozialem oder bezahlbarem Wohnraum, der in Landau so dringend benötigt wird. Bei diesen und generell den meisten Entscheidungsprozessen auf dem Gartenshow-Gelände wurde die Jugend unserer Stadt gar nicht einbezogen. Es gab lediglich Alibi Projekte, wie die Mitarbeit an der Skate-Anlage welche aber auch nur aus 1-2 Terminen Bestand und kaum öffentlich beworben war.

Urban Gardening oder auch Guerilla Gardening steht nur wenig im Bezug zu der Gartenshow oder anderen Großprojekten. Landau ist zwar schon eine recht grüne Stadt, aber unserer Meinung nach noch immer nicht grün genug! Urban Gardening hat verschiedene Motivation bei uns. Vom verschönern und begrünen unserer Stadt bis hin zum sensibilisieren der Menschen gegenüber Fertig- und Gen-Food.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Obwohl ihr zu großem Teil aus Landau kommt, wollt ihr wie in der Vergangenheit für jungen Leute aus dem gesamten südpfälzischen Bereich offen sein. Wie wollt ihr in Zukunft Leute aus dem ländlichen Umland, aus Germersheim etc. einbinden? Was ist besonders zu beachten und was heißt das für junggrüne Arbeit im Flächenland Rheinland-Pfalz?

 

Jan-Lucas

Wir werden darauf achten, dass wir in Zukunft auch Dinge im Umland unterstützen und nicht, weil es so „einfach“ ist, nur Aktionen in Landau veranstalten. Wir waren zum Beispiel auf dem „Mittendrin und Bunt“-Festival zu Gunsten von Flüchtlingen und einem friedlichen Miteinander in Herxheim vertreten und haben dort mit-angepackt. Auch sind wir momentan dabei, Kontakt zu anderen GRÜNEN Kreisverbänden aufzubauen, um gemeinsame Aktionen in den umliegenden Dörfern zu planen. Hierbei stoßen wir durchgehend auf offene Ohren, da vor allem in der ländlichen Region das Interesse junger Leute an aktiver Politik noch zu gering zu sein scheint. Hier hoffen die GRÜNEN auf unsere Unterstützung um das zu ändern. Aufgrund einer vergleichbar guten Anbindung von Bus und Bahn wird Landau aber wahrscheinlich Mittelpunkt unseren Handelns bleiben, da es für die meisten Mitglieder am besten zu erreichen ist. Bei Aktionen im Umland wird für jüngere Mitglieder Mobilität zu einem zentralen Thema, was leicht einen Strich durch die Rechnung machen kann… Hier müssen wir auch intern noch Lösungen finden.

 

Sebastian (TROTZDEM)

Was wünscht ihr euch vom Landesverband, bzw. vom Bundesverband der GRÜNEN JUGEND zur Unterstützung eures Engagements? Was wünscht ihr euch ganz allgemein für eure Zukunft?

 

Jan-Lucas Klein

Puh, was wir uns zur Unterstützung wünschen ist schwer zu sagen, momentan sind wir selbst noch in einer Findungsphase und erst einmal damit beschäftigt, eine gute Basis für die GJ SÜW zu schaffen. Sei es die Organisation, die Mitgliederzahl, ein Netzwerk an Kooperationspartnern und Kontakte zur Presse,- all das müssen wir erst ein mal ins Laufen bringen und nebenbei natürlich noch in der Politik und im sozialen Umfeld Präsenz zeigen und mitwirken. Sobald die Zahnräder erst ein mal geölt sind und wir intern gut funktionieren, wollen wir größere Projekte starten, bei denen wir bestimmt froh sind, auf eure Erfahrung und Unterstützung zählen zu können.

Mittelfristig wünschen wir uns erst einmal, ein solider Verband zu werden, eine große Zahl aktiver Mitglieder anzuwerben und ein harmonisches Miteinander aufzubauen, in dem jedoch ein reger Austausch zu politischen Themen nicht zu kurz kommen soll. Langfristig hoffen wir natürlich politisch etwas zu bewirken, sei es lokal oder auf Bundesebene wenn nicht sogar weltweit. Wir wollen jungen Leuten eine Stimme geben, Politik „cool“ machen, etwas bewirken und vielleicht etwas naiv sogar die Welt retten… 🙂

 

Julius

Genau! Es gibt viel zu tun – und vielen Dank!

 

Hannah

Ja: packen wir es an! Vielen Dank!

 

Sebastian (TROTZDEM)

Alles klar! Vielen Dank für eure Antworten und die Bereitschaft für das Interview! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft! Hoffentlich können wir möglichst viele von euch auf den kommenden Veranstaltungen der Landesebene wiedersehen.

 

Foto: Der gesamte Vorstand der GJ Südpfalz