Seit April 2012 besetzen Aktivist*Innen des Braunkohlewiderstandes aus ganz Europa Teile des Hambacher Forstes.

Nachdem am 14. November 2012 das erste Camp im Wald durch Grubenwehr und Polizei geräumt wurde, geht der Widerstand seit dem 16. November im neuen Camp auf einer privaten Wiese am Rande des Hambacher Forstes weiter.

Zelt im Schnee

Vielleicht fragen sich einige, weshalb genau der Hambacher Forst besetzt wird, während täglich zehntausende BäCamp Kücheume im Regenwald und auch in Deutschland gerodet werden.

 

Das Rheinische Braunkohlerevier, von welchem der Tagebau Hambach Teil ist, ist die größte Braunkohle Quelle Europas.

Innerhalb der nächsten Jahre soll dieser Tagebau nochmal um 1000 ha erweitert werden, sodass sich die allgemein verbreitete Aussage von RWE, der Tagebau „wandere nur und wachse nicht“ als Falschaussage heraus kristallisiert.

So soll der uralte, artenreiche Hambacher Forst mit seinen letzten 1000 ha schließlich komplett den ökonomischen Sachzwängen des Energieunternehmens RWE zum Opfer fallen.

Bei meinem Besuch des Camps vergangene Woche konnte ich einige Eindrücke des Widerstandes sammeln, welche ich hier kurz skizzieren möchte.

Etwa 20 Menschen trotzen momentan den winterlichen Temperaturen, Schnee und Regen. So wird trotz Minus FeuerstelleGraden fleißig am Camp gebaut, Reproduktionsarbeiten erledigt und gemeinsam musiziert und gelebt. Besonders ist dabei hervorzuheben, dass die Menschen sich selbst organisieren und gesellschaftlichen Strukturen wie institutionalisierten Hierarchien absagen. Gleichberechtigt und gemeinsam wird der Alltag verbracht und genutzt.

Auch wenn verschiedenste Publikationen regionaler Presse oder von RWE anderes behaupten, erfreut sich der Braunkohle Widerstand einer täglich wachsenden Unterstützung der Menschen aus der Umgebung. So scheint es, als käme der für viele ungewohnte Lebensstil bei den Menschen gut an. Daher kann wohl niemand im Camp über mangelnde warme Kleidung, zu wenig Nahrung oder Baumaterial klagen.

Umso rätselhafter ist es, dass die Sicherheitsunternehmen von RWE Tag für Tag das Camp überwachen. In regelmäßigen Abständen werden weiße RWE Jeeps in der Nähe des Camps gesichtet. Mit der Präsenz dieser „Privatarmee“ zeigt RWE einmal mehr ihren Besitzanspruch auf die gesamte Region inklusive Böden, Menschen und „demokratische“ Institutionen, so stehen beispielsweise 350 Bürgermeister*Innen in NRW auf der offenen Gehaltsliste von RWE und kriegen mehr als 6 500€ pro Monat von RWE).

Dennoch konnte ich erleben, dass sich die Menschen der Besetzung immer wieder aufs Neue bestärkt und bestätigt fühlen, auch zukünftig gegen den Klimakiller RWE und die Rodung des uralten Waldes zu kämpfen.

Zelte im Schnee

Daher bin ich mir sicher, dass die Aktivist*Innen versuchen werden, den Wald zu retten, bis sämtliche Rodungsarbeiten endgültig aufgehalten und die Tagebaue gestoppt sind. In diesen Tagen versucht vor allem der BUND NRW das Land NRW anzuklagen und setzt sich damit für einen längeren Rodungsstop im Hambacher Forst ein, mit dem Ziel, die Rodung komplett aufzuhalten. Gleichzeitig stecken schon viele Menschen in den Planungen für das Waldfest, welches gemeinsam mit dem Netzwerk „ausgeco2hlt“ Mitte März veranstaltet wird.

Dies sind nur kleine Auszüge aus dem täglichen gemeinschaftlichen Leben der Waldbesetzung, doch konnte ich vielleicht einen kleinen Eindruck davon vermitteln, was mich zum Denken angeregt hat.