Ein Beitrag von Milan Sühnhold, Politischer Geschäftsführer im Landesvorstand

Eigentlich ist der Sachverhalt schnell erklärt: Ein Dachdecker und Schlagersänger entwirft in den 1950gern ein Logo für seine Firma und da er mit Nachnamen „Neger“ heißt, skizziert er als Logo kurzerhand einen farbigen Menschen mit dicken Lippen und Ringen in den Ohren- soweit so rassistisch.

Gleichvorweg, es ist nicht rassistisch „Neger“ mit Nachnamen zu heißen, es ist auch nicht rassistisch seine Firma so zu nennen, aber dann als Logo seiner Firma einen farbigen Menschen mit spezifischen Aussehen zu verwenden ist es!

Im Grunde ist es keine „große“ Sache, solche und ähnliche Fälle begegnen uns tagtäglich im Leben.
Der sogenannte „Alltagsrassismus“ ist keine Erfindung aus irgendeinem links-grünen Elfenbeinturm:
Polizist*innen die racial profiling betreiben, Proteste gegen Asylbewerberheime oder landläufige Ressentiments gegen Menschengruppen, all das sind Symptome des gleichen Phänomens.

Ich möchte hier auf keinen Fall das Logo dieser Firma mit dem jüngsten Brandanschlag in Tröglitz gleichsetzten, das sind völlig verschiedene Dimensionen, nur, und da liegt der Zusammenhang, sind es beide Teile dieses Alltagsrassismus.
Dass dies der Firmenchef und CDU-Stadtrat Thomas Neger nicht einsehen will ist dahingehend auch nicht sonderlich verwunderlich und zeigt leider nur wie unsensibel und stur einige Menschen mit diesem Thema umgehen.
Doch die Ignoranz dieses Firmenchefs wird gewaltig in den Schatten gestellt von Menschen, die sich solidarisch mit diesem Logo erklären und wie der „wütende Mob mit Fackel und Mistgabel“ auf die Barrikade gehen.

Nicht nur, dass sie in ihren Argumenten und ihren Beiträgen kaum sachlich und differenziert agieren, nein, ihre Wut gegen die Menschen, die sich gegen dieses rassistische Logo wenden, entlädt sich auf gewaltsame Art und Weise im Internet und auch im Alltagsleben.
Es ist erschreckend, wenn die Aktivist*innen von „Das Logo muss weg“ mit Goebbels oder der SS gleichgesetzt werden, wenn private Adressen und Nummern veröffentlicht werden, wenn sie gestalkt werden, wenn sie geisteskrank, Faschisten, Kinderschänder oder Inquisitoren genannt werden und wenn dazu aufgerufen wird sie umzubringen!
(Alles öffentlich nachzulesen auf der Facebook Seite „Ein Herz für Neger“)

Als ich all diese Kommentare durchgelesen habe wurde mir schlecht.
So viel Hass, so viel Verachtung hatte ich nicht erwartet und diese Kommentare sind keine Besonderheit, sie sind zahllos und erhalten zahllosen Zuspruch.
Zynisch, dass gerade diese Menschen den Gegner*innen des Logos Hetzte vorwerfen.

Aber zurück zur Sache, die in all diesem Hass etwas untergeht, das Logo ist rassistisch, es muss weg!
Und wenn ihr jetzt wieder ankommt, mit: „Es ist doch Tradition. Ihr nehmt uns unsere Sprache weg“, oder sonst etwas:
Tradition ist ohne Frage wichtig und gehört zum Menschsein, aber sie darf nicht unumstößlich und starr stehenbleiben, Menschsein heißt Evolution und Wandel, dass gilt für alle Bereiche, auch der Attitüde und der Sprache.

Und sind wir mal wieder etwas realistisch: Niemanden geht Lebensqualität verloren, wenn ein rassistisches Logo verschwindet, oder wenn Worte, wie „Negerkuss“ oder „Zigeunersoße“ aus unserem Sprachduktus verschwinden.
Kommt mal wieder auf den Boden zurück, hört auf mit diesem unnötigem Hass und bleibt logisch.
Es geht hier nicht um eine „Diktatur der Gutmenschen“ es geht um das Zusammenleben und zwar von allen.