Trotz-Dem 2/2000

Der Bau des Forschungsreaktors FRM II
Von Andreas Atzl

1998 war es soweit – es konnte Richtfest gefeiert werden. Richtfest für eine Forschungsanlage in Garching bei München, die ohne jede wissenschaftliche Begründung mit waffenfähigem, hochangereichertem Uran (HEU) betrieben werden soll.

Und das, obwohl seit Ende der 70er Jahre alle deutschen Forschungsreaktoren auf niedrig angereichertes Uran (LEU) umgestellt wurden oder noch werden. Obwohl der Deutsche Bundestag den Einsatz von waffenfähigen Brennstoffen in Forschungsreaktoren einstimmig abgelehnt hat. Obwohl seit 1981 in der westlichen Welt kein einziger Forschungs-reaktor mit HEU mehr gebaut wurde. Und, was das wahrscheinlich schlagkräftigste Argument sein dürfte, obwohl auch beim Einsatz von niedrig angereichertem Uran die Forschung in selbem Maße möglich wäre, und die eigens für den Garchinger Forschungsreaktor eingesetzte Kommission vor Kurzem festgestellt hat, dass eine Umrüstung des noch unfertigen Reaktors auf niedrig angereichertes Uran noch möglich wäre.

Doch es geht nicht alleine um das immense Risiko, das besteht, falls dieses Material in falsche Hände gerät. Es geht vor Allem darum, dass mit dem Bau dieses Reaktors nach fast zwanzig Jahren Abrüstungspolitik ein Präzedenzfall geschaffen würde, der dem Handel mit waffenfähigem Uran wieder zu neuem Leben verhelfen würde.

So haben die USA es abgelehnt, HEU für den Bau eines Reaktors zu liefern, der genausogut mit nicht waffenfähigem LEU betrieben werden könnte. Deshalb wurde 1998 ein Rahmenabkommen zur Lieferung von HEU mit Rußland geschaffen, mit dem die Befürchtungen von Abrüstungsexperten wahr wurden. Dieser Handel könnte den Schwellenländern nämlich als Präzedenzfall für weiteren Handel mit atomwaffenfähigem Material dienen.

Warum also wehrt sich die bayrische Landesregierung trotz internationalen Drucks, noch vor Fertigstellung der Anlage relativ kostengünstig den Reaktor für den Betrieb mit LEU umzubauen? Das entspräche schon alleine deshalb der reinen Menschenlogik, weil erst zwei von drei nötigen Teilgenehmigungen erteilt wurden, und die Bundesregierung die Weisung geben kann, die dritte Teilgenehmigung vorzuenthalten. Damit wäre dem weiteren Bau und damit auch der Inbetriebnahme der Garaus gemacht, und Bayern hätte nichts gewonnen.

Doch Ministerpräsident Stoiber bleibt hart, und man wird abwarten müssen, wer letztendlich am längeren Hebel sitzt: Er oder die Mitglieder der grünen Bundestagsfraktion (Zu nennen sei hier Hans-Josef Fell), die sich hartnäckig gegen den Einsatz von HEU zur Wehr setzt.