Vom 21. bis 22. August fand dieses Jahr das »Kein Bock auf Nazis«-Festival auf der Burg Lichtenberg in Tallichtenberg, Nähe Kusel, statt. Im Gegensatz zu letztem Mal, traten diesmal an zwei Abenden Bands auf, weil mit dem „Yeah! Yeah!“-Festival am Vorabend die Fusion des »Wunderlicht«-Festivals aufgelegt wurde.

Von Freitag bis Sonntag gab es die Möglichkeit zu zelten, die von vielen genutzt wurde. Das Burggelände hat sich für das Festival gut geeignet, doch ob die Gäste in der Jugendherberge die nächtliche Musik angenehm fanden, weiß ich nicht. Für die Verpflegung war bestens gesorgt und die Auswahl groß; ein Vöner (Döner mit Soja-Geschnetzeltem, vagan, lecka) wurde für 2€ von Leuten angeboten, die öfters politische Veranstaltungen bekochen. Auch der Stand „Afghanische Spezialitäten“ war sehr interessant, schaffte er es doch die vorherrschenden Afghanistanbilder hinterfragen zu lassen und somit den Blick zu erweitern.

Der Kapitalismus ist maßlos… …Ausbeutung von Mensch und Natur sind seine Existenzbedingung. Wer wirksamen Umweltschutz will, braucht den Systemwechsel. Kommt jetzt in die Anarchistische Bewegung!Infostand der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz kam am ersten Abend, wo hauptsächlich Indie gespielt wurde, gerade während der Nacht gut an und wurde schon gegen Abend neben den Greenpeace-Stand umgesiedelt. Das war gerade deshalb naheliegend, weil – anders als angenommen – die Gesprächsthemen gar nicht Nazis, Rassismus, Diskriminierung waren, sondern eher „die Grünen“-Kritik, Drogen und umweltpolitische Themen. Die Leute von Greenpeace waren sehr engagiert und kreativ, leider wurde aber die Riesen-Amflora in der Nacht entführt. Cool war auch, dass zwei Plakate verteilt wurden. Einmal ein Greenpeace-Plakat gezeichnet mit Bildern passend zu Texten wie „Die Meere totgefischt sind, der Regenwald…“. Als Reaktion darauf wurde ein anarchistisches Plakat neben das erste an das Geenpeace-Büro in Kaiserslautern gehängt, das von Greenpeace seitdem vervielfältigt und parallel mitgezeigt wird.

Bevor am Samstagabend Punk, Ska und Electro (z.B. Walter Elf, Juri Gagarin) gespielt wurde, gab es am Tag inhaltliches Programm.
Schon Anfang August gab es eine Auftaktwoche:
02. August: Eröffnung der Ausstellung „Tatort Rheinland-Pfalz“ (Heinrich-Böll-Stiftung)
03. August: Vortrag mit der „Vollzeit-Aktivistin“ Hanna Poddig in Kusel
04. August: Aktionstraining mit Hanna Poddig
05. August: Eventuell Film im Kuseler Kino
06. August: Spiel mit der FCK-Traditionsmannschaft in Kusel
07. August: Konzert

Diese wurde Abgerundet mit einem sehr guten Vortrag des apabiz (Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin) über die NPD und ihre Strukturen: »Wiederaufstieg und
Radikalisierung einer neonazistischen Partei. Die NPD und ihre
Jugendorganisation, die „Jungen Nationaldemokraten“«
Ab 15 Uhr fing das Rahmenprogramm an mit Songwriter „Plinio Designoris
letzter Winter“
.

Nach dem apabiz-Vortrag fand ein Podium mit den VertreterInnen der Jugendorgas der Parteien statt, JuLis und Linksjugend Solid konnten jedoch nicht kommen. Moderiert wurde das Podium von einem externen Reporter; mit auf dem Podium war Kalle Kress als Einzelperson. Fabian Löffler war für die Jusos am Start, Martin Binder für die JU und Kai Lüke für die Grüne Jugend. Große Themen waren der Umgang mit Neonazis, Gründe für solche Einstellungen, Zusammenhänge mit Diskriminierung aus der Mitte der Gesellschaft und die Präventionsmöglichkeiten sowie der längste Diskussionsteil „Demos“, der umstrittener gar nicht hätte sein können. Das lag vielleicht auch an der Frontenbildung, die zwischen JU und allen anderen sich entwickelte und der Lust des Moderators an dem Thema. Durch den Beifall des deutlich als antifaschistisch erkennbaren Teils des Publikums war eine Nähe der Grünen Jugend zu antifaschistischen BlockierInnen und DemonstrantInnen gut zu sehen und hören. Im Gegenzug hatte die JU mit ihrer These, dass es besser wäre, Nazis laufen zu lassen, damit sie keine Aufmerksamkeit bekommen, heftigen Widerstand bekommen. Man schaue sich nur mal Italien an:
Reportage von BR-online über Faschismus in Italien
Insgesamt war es ein schönes Festival, auch wenn am zweiten Tag der Infostand eher in den Hintergrund trat und persönliche Gespräche den Vortritt hatten, so war doch einiges an Infomaterial weg.

Website: http://keinbockaufnazis-festival.de/
Die Kampagne: http://www.keinbockaufnazis.de/