Das Seminar fand am 17.04.2011 in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung RLP in Koblenz statt.

In dem Seminar ging es um die Bedeutung, die die verschiedenen Glaubensgemeinschaften in Deutschland heute noch haben und das Verhältnis von Staat und Religion. Dies wollten wir anhand konkreter Beispiele diskutieren: Sollte es Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft geben? Sollten Frauen im öffentlichen Dienst ein Kopftuch tragen dürfen?
Als Referenten waren der anglikanische Kirchenhistoriker Brian Huck, der evangelische Theologiestudent Frank Mönnig und Jakob Spanke vom Arbeitskreis Weltanschauung der Grünen Jugend eingeladen.

Zuerst stellte Brian Huck den rechtlichen Status, den die verschiedenen Religionsgemeinschaften in Deutschland genießen, dar. Die Teilnehmer_innen bewegte unter anderem die Frage, wie viele alte Verfassungspassagen und Gesetze noch mit den Ansprüchen einer modernen Gesellschaft vereinbar sind. Lebhaft diskutiert wurde auch, wie unter dem Grundgesetz kleinere Glaubensgemeinschaften und große Kirchen unterschiedlich behandelt werden. Besonders die religionsrelevanten Verfassungskomponenten interessierte die Teilnehmenden in der Praxis; vor allem im Bezug auf einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Während sich Altgrüne oft für einen islamischen Religionsunterricht aussprechen, war die Mehrheit in Koblenz der Meinung, dass Glaubensgemeinschaften – ähnlich wie in den vereinigten Staaten – prinzipiell an staatlichen Schulen nichts zu suchen haben.
Nach einer kurzen Pause folgte ein ausführlicher Vortrag zum staatlichen Religionsunterricht von Frank Mönnig. Der Theologiestudent argumentierte für den bekenntnisorientierten Unterricht. Seiner Meinung nach könne ein Ethikunterricht den Religionsunterricht nicht ersetzen, da er grundsätzlich andere Inhalte vermittle. Nur ein ‚echter‘ Religionsunterricht könne den Schülern das zum kompetenten Umgang mit Glauben nötige Werkzeug mit auf den Weg geben. Er sprach sich für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Staat und Glaubensgemeinschaften aus, in der staatliche Institutionen und kirchliche Vertreter_innen gemeinsam die Unterrichtsinhalte festlegen.
Im letzten Vortrag klärte Jakob Spanke, junggrüner Katholik, uns über die Schnittmengen und Konfliktpotentiale zwischen kirchlichen und grünen Organisationen auf. So seien die Kirchen bei Fragen zum Schwangerschaftsabbruch oder zur Sexualmoral erbitterte Gegner, während bei Fragen zu Asyl- und Sozialpolitik durchaus an einem Strang gezogen würde. Besonders spannend war für die Teilnehmer_innen nicht nur der abstrakte Austausch über mögliche Kontroversen, sondern auch die individuelle Harmonisierung von Glaube und Politik. Sowohl während der einzelnen Vorträge als auch im Anschluss daran kochten immer wieder Debatten über religiöse wie kirchenpolitische Fragen auf. Diese wurden mitunter sehr emotional geführt – so zum Beispiel die Frage nach der Finanzierung der großen Kirchen durch die öffentliche Hand.
Insgesamt diskutierten die Teilnehmer_innen 6 Stunden lang angeregt miteinander. Das Seminar klang anschließend in gemütlicher Runde aus, wobei einige Teilnehmer_innen noch das persönliche Gespräch mit den Referenten suchten.
Trotz, oder gerade wegen, großer Meinungsdifferenzen unter einzelnen Teilnehmenden kam es zu spannenden Debatten über die Zukunft der Glaubensgemeinschaften.