Wahlkampf im März 2006: Kalt. Windig. Nass. Trotz dieser ungünstigen meteorologischen und manchmal auch emotionalen Voraussetzungen ließ es sich die GRÜNE JUGEND Ludwigshafen, Euer Vorposten in der smoggeplagten Hauptstadt der Atemwegserkrankungen, nicht nehmen, am Samstag, den 11. dieses aber auch wirklich beschissen verregneten Monats, Wahlkampf in seiner Fußgängerzone zu machen. Und so standen wir nun, ab etwa zehn Uhr morgens mit unserem hübschen weiß-grünen Pavillon neben dem Brezelstand mit der leicht revisionistisch angehauchten Brezelfrau und gegenüber von einem leer stehenden Laden mit der Aufschrift: „Reduziert!Alles muss raus! -50%!!!“.

Mit dieser Auffassung über die meisten Fraktionen des Mainzer Landtags als Hintergrund unserer Motivation, fielen die anschließenden Stunden natürlich um so leichter. Und es waren schöne Stunden. Für die, die noch nicht so oft im „deutschen Chicago“, Deutschlands jüngster Großstadt waren: die Menschen in Ludwigshafen sind ungefähr so, wie man sich die Menschen in einer Industriestadt vorstellt: Viele nicht wahlberechtigte Ausländer, viele nicht wahlberechtigte Kinder und Jugendliche (ja, wir haben tatsächlich eine relativ hohe Anzahl von Jugendlichen hier. Die meisten von ihnen sind ausländischer Herkunft) und eine ganze Menge Politikverdrossenheit unter jungen und alten Menschen. Dies macht Wahlkampf auf der einen Seite interessant und abwechslungsreich; auf der anderen Seite deprimierend und gefährlich. Und kalt! Ach was, es war dennoch ein erfolgreicher Tag! Unter dem Motto 7% + xxl (leider nicht bei allen Teilnehmern auf den Alkoholgehalt der Erfrischungsgetränke bezogen) wurden die anschließenden Stunden Wahlzeitungen verteilt, Flyer in Taschen gestopft, Grastütchen untergeschoben. Es wurde süß gelächelt und erbittert diskutiert. Es wurde Gelb verteufelt und Schwarz verhöhnt. Unsere Themenschwerpunkte Toleranz, Bildung und Drogen wurden in Gespräche ebenso einbezogen wie die Abstinenz von Freizeitmöglichkeiten in Lambsheim oder das Nachtflugverbot über sämtlichen Flughäfen in Rheinland-Pfalz (es gibt aber außer mir wirklich Niemanden der einen internationalen Flughafen in Ludwigshafen für eine gelungene Investition hält, oder??). Gegen halb vier, als Zehen abgefallen, Finger festgefroren und Augen windgerötet waren, stand das nächste Highlight dieses schönen Frühlingstages an:
Die GRÜNE JUGEND Ludwigshafen traf sich mit der GRÜNEN JUGEND Mannheim auf der Konrad-Adenauer-Brücke (linke Seite von uns) zur symbolischen Besiegelung und Dokumentation der Zusammenarbeit als GRÜNEN JUGND Kurpfalz. Unangenehm an dieser Tatsache war eventuell die gleichzeitige Anwesenheit und Pingeligkeit der Ordnungsmacht. Doch nach einigen Viertelstunden Ausweiskontrolle und Körperdurchsuchung wurden wir schließlich wieder in die Freiheit und politische Verantwortung überlassen. Und so konnte die GRÜNE JUGEND Kurpfalz schließlich, ausgestattet mit einem Transparent (Kurpfalz: Offen und tolerant) und immer noch frohen Mutes schließlich zur Antifa-Demo gegen Rassismus und Faschismus zum Ludwigshafener Hauptbahnhof pilgern. Über den Sinn und die Planung dieser Veranstaltung lässt sich streiten; dennoch ließen wir uns auch hier weder vom immer stärker wehenden Ostwind, noch von der immer penetranter agierenden Ordnungsmacht stoppen und zeigten für eine tolerante Kurpfalz Flagge. Insgesamt ein durchaus gelungener und mitreißender Tag dieses frühlinghaften Wahlkampfes! Hab ich schon erwähnt, dass es ******kalt war!?